Clownfisch in Anemone | kelonya.ch

Die Wunder des Korallenriffs

Die Wunder des Korallenriffs 🐠

Kelonya, die Meeresschildkröte fragt bei Pippo dem Clownfisch nach, wie es im Korallenriff aussieht. 

Kelonya: «Hallo Pippo, dich habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen in deiner farbigen Unterwasserwelt! Diese Korallen sind ja wunderschön. Was ist das eigentlich, ein Korallenriff?» 🐢

Pippo: «Hallo Kelonya! Schön dich zu sehen. Ja, du könntest auf den ersten Blick denken, Korallenriffe bestünden aus Felsen, aber in Wirklichkeit sind sie lebende Organismen. Es handelt sich um festes Material, das aus Überresten von kleinen Meeresorganismen aufgebaut ist. 🔬

Es sind Lebewesen, die ganze Kolonien bilden. Sie werden Steinkorallen oder Hartkorallen genannt und gehören zu den Phylum-Nesseltieren. Korallenriffe gehören zu den vielfältigsten und schönsten Ökosystemen der Erde. Eine fantastische Vielfalt an Lebewesen sind hier zu Hause». 🐡🐠🐟

Kelonya: «Wie entsteht denn so ein Riff?» 🌊

Pippo: «Korallen bestehen aus vielen einzelnen Tierchen, den Polypen. Polypen leben an der Aussenseite des Riffs. Wenn sie absterben, werden sie hart und es wachsen neue Polypen auf ihnen. Auf diese Weise wächst das Riff langsam – aber stetig. 🐚

Die Polypen bilden ganze Völker und Kolonien, und wachsen in verschiedenen Formen. Einige sehen aus wie Pilze, einige wie Bäume, Fächerwaben, Blumen oder sogar wie Gehirne.» 🧠

Kelonya: «Was beeinflusst sonst noch das Wachstum des Riffs?»

Pippo: «Zum Beispiel wenn Skelette von Tieren wie Schnecken, Muscheln, Seeigeln und Seesternen auf das Riff sinken. ⭐️

Einige Lebewesen zermalmen ausserdem die Korallenskelette zu feinem Sand, der wiederum die Lücken im entstehenden Riff füllt. Sie grasen den Grund ab und teilweise bohren sie auch in den harten Untergrund. 🧱

Algen und andere Krustentiere helfen dabei, den Sand und die einzelnen Korallenteile miteinander zu verbinden und zusammenzuhalten.» 🔗

Korallenriff-mit-Fischen | kelonya.ch

Kelonya: «Gibt es die überall, diese Riffe?»

Pippo: «Nein, nur in speziellen Gebieten. 🔍

Steinkorallen brauchen spezielle Bedingungen um zu gedeihen. Sie wachsen nur in klarem, sonnenbeschienenem, flachem Wasser, wo die Temperatur mindestens 18°C – noch besser 25- 29 °C – beträgt. 🌡

Sie wachsen am besten dort, wo es wenig Wellenbewegungen oder Ablagerungen durch Flussabläufe gibt. Diese Bedingungen gibt es nur in einigen tropischen und subtropischen Gebieten. Die meisten Korallenriffe findest du im Indopazifik, der sich vom Roten Meer bis zum zentralen Pazifik erstreckt. Ein paar wenige Riffe gibt es auch rund um das Karibische Meer. 🌎

Das grösste Korallenriff ist aber das Great Barrier-Reef vor Queensland, Australien. Es erstreckt sich über 2.000 km. 😮 Es ist das grösste Bauwerk, das jemals von lebenden Organismen geschaffen wurde und ist so gross, dass Astronauten es vom Weltraum aus sehen können!» 🪐

Kelonya: «Du hast von den Polypen erzählt. Was fressen diese kleinen Tierchen?»

Pippo: «Nachts kriechen Korallenpolypen zum Fressen aus ihren Skeletten und strecken ihre langen, stechenden Tentakel aus, um winzige vorbeischwimmende Beutetiere einzufangen. Diese werden in die Mäuler der Polypen gezogen und in ihren Mägen verdaut. Sie benutzen ihre Tentakel auf die gleiche Weise wie ihre nahen Verwandten, die 👉 Quallen 👈.

Die Polypen haben aber auch noch zusätzliche Hilfe bei der Nahrungssuche: Die meisten Korallen haben eine einzigartige Partnerschaft mit winzigen Algen, den Zooxanthellen. Diese Algen leben in den Korallenpolypen und nutzen das Sonnenlicht, um daraus Zucker zu gewinnen. Dieser liefert den Polypen die dringend benötigte Nahrung.» 🍴

Nahaufnahme violette Koralle kelonya.ch

Kelonya: «Wie schnell wächst so ein Korallenriff

Pippo: «Korallenriffe wachsen sehr langsam. Grosse Riffe wachsen 1 bis 2 cm pro Jahr. Es wird geschätzt, dass einige der grössten Riffe bis zu 30 Millionen Jahre gebraucht haben, um sich zu bilden.» ⌛️

Kelonya: «Manche nennen Korallenriffe auch  die Regenwälder der Meere. Warum ist das so?»

Pippo: «Die warmen, sonnigen Gewässer eines Riffs werden von einer grossen Vielfalt an Lebewesen bevölkert, ähnlich wie bei Regenwäldern an Land. ☀️

Die reichsten und gesündesten Riffe beherbergen Tausende von Fischarten und anderen Meereswirbeltiere, wie z.B. Meeresschildkröten, wie du eine bist. Ausserdem sind auch alle wichtigen Gruppen wirbelloser Tiere vertreten. Dazu gehören Schwämme, Würmer, Anemonen und nicht-riffbildende Korallen (wie z.B. Seefächer), Krebstiere, Weichtiere (zu denen Schnecken, Muscheln und Kraken gehören) und Stachelhäuter (Seeigel und ihre Verwandten). 🦀

Jeder noch so kleine Raum eines Riffs wird von einem Tier als Versteck und Unterschlupf genutzt. Alle Lebewesen im Riff sind Teil eines vielfältigen Beziehungsgeflechts. Viele Riffbewohner leben in Partnerschaften mit anderen Lebewesen.» 💍

Kelonya: «Diese Partnerschaft nennt man «Symbiose»! Im Hörspiel 👉 D Reis vo dr Kelonya 👈  hast du mir davon erzählt.»

Pippo: «Genau! Es ist sehr schwierig, im Riff ein sicheres Versteck oder einen Unterschlupf zu finden. Diese Plätze sind sehr wertvoll und deshalb hart umkämpft. 🥊

Alle Bewohner des Riff sind Teil eines vielfältigen Beziehungsgeflechts. Im Korallenriff-Ökosystem wimmelt es von solchen Beziehungen der Lebewesen. Um ein sicheres Zuhause zu finden, müssen die Riffbewohner oftmals eine innige Bindung mit einem anderen Lebewesen eingehen. Diese Partnerschaft wird eben «Symbiose» genannt. 🐚❤️🐟

Es gibt verschiedene Formen von Partnerschaften: Manchmal haben alle einen Nutzen davon. Es kommt aber auch vor, dass nur der ein Lebewesen davon profitiert, während das andere geschädigt wird oder sogar sterben kann.» ☠️

Kelonya: «Das klingt sehr gefährlich. Gehen denn auch Korallenpolypen eine solche Beziehung ein?»

Pippo: «Ja, das tun sie! 👍

Es besteht eine Symbiose zwischen den Korallenpolypen und einzelligen Algen. Diese nennt man Zooxanthellen. Sie leben im Inneren jedes Polypen. 🛌

Diese Algen fangen das Sonnenlicht ein und führen die Photosynthese durch: Licht, Wasser und Kohlendioxid wird zu Sauerstoff und energiereichen, organischen Stoffen umgewandelt. 🌞

So kriegt der Korallenpolyp den Sauerstoff und andere Nährstoffe, den er zum Überleben braucht. Die Alge erhält im Gegenzug das vom Polypen ausgestossene Kohlendioxid für die Photosynthese. ♻️

Die Algen liefern auch Farbpigmente, die dazu beitragen, das weisse Skelett der Korallen vor Sonnenlicht zu schützen. Es ist für beide Beteiligten eine vorteilhafte, symbiotische Beziehung.» 👍

Kelonya: «Pippo, du lebst ja mit einer Seeanemone zusammen. Erzähl mir mehr von eurer Wohngemeinschaft!»

Pippo: «Ja, ich lebe mit meiner Seeanemone und einigen winzigen Putzergarnelen zusammen. Die Tentakel der Anemone bieten uns Schutz. Dafür helfen die Putzergarnelen und ich der Anemone, indem wir ihre Tentakel abknabbern und sie dabei von Parasiten befreien. Und ich schütze die Anemone zusätzlich vor Räubern wie dem Falterfisch.  🦐

Es gibt aber auch andere Wohngemeinschaften: 🏠

Einige Anemonen haften an den Schalen von Einsiedlerkrebsen. So kommen sie einfacher an ihre Beute, weil die Krebse sich mit ihnen bewegen. Die Krabbe wird im Gegenzug durch die stechenden Tentakel der Anemone vor Angriffen von aussen geschützt.» 🐚

Clownfisch-in-Anemone | kelonya.ch

Kelonya: «Welche Bedeutung haben Korallenriffe für das Leben im Meer?»

Pippo: «Korallenriffe sind  aus mehreren Gründen von unschätzbarem Wert.

1️⃣ Korallenriffe schützen die Küsten vor tropischen Stürmen, weil sie die Zerstörung durch grosse Wellen verringern. Ohne diese schützende Barriere um Inseln und Küsten herum, würde immer mehr Land von den Ozeanen abgetragen werden. 🪁

2️⃣ Riffe sind hochproduktiv. Sie erzeugen mehr lebende Biomasse als jedes andere Meeresökosystem und sind eine wichtige Nahrungsquelle für viele Küstenbewohner. 🍽

3️⃣ In Korallenriffen leben mehr Arten pro Fläche, als in jedem anderen Teil des Meeres. Wissenschaftler schätzen, dass es mehrere Millionen unentdeckte Arten von Lebewesen gibt, die rund um die Korallenriffe leben. Diese Artenvielfalt kann in der nahen Zukunft mithelfen, neue Medikamente zu finden. 💊

Viele dieser Rifforganismen enthalten biochemisch wirksame Substanzen, die als mögliche Heilmittel für Arthritis, Krebs und andere Krankheiten erforscht werden. 🦠

Die aussergewöhnliche Schönheit der Korallenriffe ist ein wichtiger Touristenmagnet für Schnorchler und Tauchbegeisterte. Der Tourismus kurbelt die lokale Wirtschaft an.» 🤿

Kelonya: «Hmmm… das klingt interessant! Doch es gibt in der heutigen Welt bestimmt auch viele Herausforderungen für die Korallenriffe?»

Pippo: «Es gibt vieles, was dem Riff schadet:

Grosse Schäden verursachen menschliche Aktivitäten, beispielsweise die Wasserverschmutzung, unkontrollierte Überbauung der Küsten und Tauchtourismus. 🤿

Das Einsammeln von Korallen und anderen Riffbewohnern für den Aquarien- und Schmuckhandel schadet unserem Lebensraum. Aber auch der Abbau von Riffen für Baumaterialien und zerstörerische Fischereipraktiken sind ein grosses Problem. ⚓️

Eine schlimme Fischereimethode, bei der Korallen in weiten Bereichen des Riffs getötet werden, ist der Einsatz von Gift, um tropische Fische für die Aquarien zu fangen. Dabei wird Natriumcyanid verwendet. Dieses Gift macht ausgewählte Riff-Fische bewegungsunfähig, wodurch sie leicht eingesammelt werden können. Dieses Gift tötet aber alle lebenden Korallen, die damit in Kontakt kommen. Die Gesundheit des Riffs nimmt auf diese Weise dramatisch ab. ☣️

Korallenriffe brauchen sauberes, klares Wasser, um zu überleben. Wenn Ablagerungen oder Schadstoffe ins Wasser gelangen, ersticken diese die Korallenriffe. Schädliche Algen gedeihen besser und verschlechtern die Wasserqualität. 👎

Die Wasser-Verschmutzung macht die Korallen auch anfälliger für Krankheiten. Das behindert das Wachstum und die Fortpflanzung der Korallen und durch die Veränderungen der Nahrungsstrukturen gerät das natürliche Gleichgewicht aus dem Lot.» ⚖️

Kelonya: «Ich liebe die bunten Farben der verschiedenen Korallen! Ich fühle mich manchmal, als wäre ich in einen Farbtopf gefallen, wenn ich durch das Riff schwimme. Es gibt aber auch Riffe, die farblos und bleich sind. Was ist mit ihnen geschehen?»

Pippo: «Die Korallenbleiche ist besonders schlimm. Die riffbildenden Korallen verlieren bei der Bleiche ihre Farben. Die Korallenpolypen stossen die winzigen Algen ab, die ihnen ihre Farben geben, oder sie verlieren einfach ihre Farbpigmente. Dies kann bis zum Absterben der Korallen führen.» ⚰️

 

weisse Koralle | kelonya.ch

Kelonya: «Weshalb kommt es zu dieser Bleiche?»

Pippo: «Das sind verschiedene Gründe: Das Wasser wird immer schmutziger und das Meer immer wärmer. In den letzten Jahrzehnten sind viele Korallenriffe ausgebleicht. Viele Riffe in weiten des Ozeans sind davon betroffen. 🌊

Korallenriffe erholen sich teilweise von einzelnen Schäden. Sind sie aber anhaltenden Belastungen ausgesetzt, können sie sterben. Wissenschaftler schätzen, dass zwei Drittel der Warmwasser-Riffe der Welt in naher Zukunft verschwinden können.» 😢

Kelonya: «Leiden Korallenriffe auch unter dem vielen Plastikmüll im Meer?»

Pippo: «Ja, auch darunter leiden sie stark.

1️⃣ Plastik hindert Licht und Sauerstoff daran, die Korallen zu erreichen – zwei Elemente, die für das Überleben der Korallen und ihrer symbiotischen Algen notwendig sind.

2️⃣ Kunststoffe zerkratzen Korallen, indem sie die Korallenhaut aufreissen. Dabei sind Kunststoffe ideale Nährböden für Bakterien. Für die Korallen ist es, als würden sie sich mit einem schmutzigen Messer schneiden: Es entstehen Infektionen.

Leider aber und erstaunlicherweise scheint Plastik den Korallen zu schmecken! Eine Studie zeigte, dass Korallen Plastik nicht immer nur irrtümlich aufnehmen, sondern auch ganz gezielt, wie ein feiner aber ungesunder Snack.» 🍿

Ein Nachwort von Kelonya: «Wir Meeresschildkröten sind für die Korallenriffe überlebenswichtig! ❗️

Sie sind die Heimat von meinen Stammesgenossen, den Echten Karettschildkröten. Sie fressen in den Korallenriffen ganz spezielle Arten von Meeresschwämmen. Das gibt Platz, damit auch seltenere Schwammarten gedeihen können. Und so erhöht sich die Vielfalt des Lebens auf dem Riff. ✅

Diese Vielfalt nennt man auch ‹Biodiversität›. Ohne die Karettschildkröten überwuchern Schwämme die langsam wachsenden Korallen und sie sterben ab. Da Korallenriffe durch den Klimawandel und andere Einflüssen immer mehr bedroht werden, ist die Rolle der Echten Karettschildkröte am Riff sogar noch wichtiger geworden.» 🐢

Und am besten hörst du dir meine ganz persönliche Geschichte an, das musikalische Hörspiel 👉 «D Reis vo dr Kelonya» 👈. Es ist mit vielen schönen Liedern geschmückt und berichtet von Begegnungen mit Kindern und vielen anderen Meerestieren.

 

🐢🐬🐋🐙 Ich wünsche dir viel Spass bei diesem tierischen Abenteuer!🐝🦁🐧🐒

❤️-lich, deine


Autorin: Dr. Karen Kienberger, Ozeanografin
Berarbeitung: Cathryn Lehmann, Fabienne Müller
Schriftsatz, Grafik: Thom Wettstein

Header Foto: © Silvia Schenk, Pixabay Korallenriff Foto 1: © lpittman, Pixabay  Korallenriff Foto 2: © agkaimal, Pixabay Anemone Foto: © Michelle Maria, Pixabay  Weisse Koralle Foto: © Dominique clain, Pixabay 


Delphine schwimmen im Meer. Rückenflosse sichtbar. | kelonya.ch

Zusammenarbeit mit «Kyma Sea Conservation & Research»

Zusammenarbeit mit Kyma Sea Conservation & Research

«Gönnt unseren Meeren eine Pause»! 

Kelonya freut sich riesig, mit 👉 Kyma Sea Conservation and Research 👈 zusammen zu arbeiten! 🐢❤️🐬

Dazu sprechen wir in unten stehendem Blog-Video mit Dr. Silvia Frey. Sie setzt sich seit über 20 Jahren für den Schutz unserer Ozeane ein. Heute ist die ausgebildete Umweltnaturwissenschaftlerin und spezialisierte Meeresschutzbiologin Geschäftsleiterin ihrer eigenen Organisation «Kyma Sea Conservation & Research». 🌊

Im November 2019 traf sie das Kelonya Team zum ersten Mal. Damals war die Geschichte der Meeresschildkröte Kelonya gerade am Entstehen. Und weil Kyma und Kelonya beide das Ziel haben, Menschen und besonders Kinder über den Schutz des Meeres aufzuklären, war der Beschluss bald klar: Kyma und Kelonya arbeiten zusammen, wenn es um den Schutz unserer Ozeane geht! 🌏

Silvia Frey - Meeresbiologin und Umweltforscherin | kelonya.ch
Silvia Frey - Geschäftsführerin Kyma

Silvia unterstützt seither das Kelonya-Team mit ihrem langjährigen Wissen und ihrer Erfahrung in Forschung und Meeresbiologie. 🌊

Im Interview mit Fabienne-Alexia stellt sie sich mit ihrer Organisation «Kyma» vor und dabei wird die Zusammenarbeit mit Kelonya verkündet. Ziel ist es, mit zunehmendem Erfolg beider Unternehmungen die Zusammenarbeit zu stärken und die gegenseitige Entwicklung zu fördern. 

Wir freuen uns auf diesen gemeinsamen Weg! 🌈

Schau dir hier ⬇️ das Video mit dem Interview an und erfahre, warum wir «Sushi nicht wie Raclette essen» können.  

Kelonya freut sich riesig, hier ihre Zusammenarbeit mit 👉 Kyma Sea Conservation and Research 👈 vorzustellen! 🐢❤️🐬

Dazu sprechen wir in unten stehendem Blog-Video mit Dr. Silvia Frey. Sie setzt sich seit über 20 Jahren für den Schutz unserer Ozeane ein. Heute ist die ausgebildete Umweltnaturwissenschaftlerin und spezialisierte Meeresschutzbiologin Geschäftsleiterin ihrer eigenen Organisation «Kyma Sea Conservation & Research». 🌊

Im November 2019 traf sie das Kelonya Team zum ersten Mal. Damals war die Geschichte der Meeresschildkröte Kelonya gerade am Entstehen. Und weil Kyma und Kelonya beide das Ziel haben, Menschen und besonders Kinder über den Schutz des Meeres aufzuklären, war der Beschluss bald klar: Kyma und Kelonya arbeiten zusammen, wenn es um den Schutz unserer Ozeane geht! 🌏

Silvia unterstützt seither das Kelonya-Team mit ihrem langjährigen Wissen und ihrer Erfahrung in Forschung und Meeresbiologie. 🌊

Im Interview mit Fabienne-Alexia stellt sie sich mit ihrer Organisation «Kyma» vor und dabei wird die Zusammenarbeit mit Kelonya verkündet. Ziel ist es, mit zunehmendem Erfolg beider Unternehmungen die Zusammenarbeit zu stärken und die gegenseitige Entwicklung zu fördern. 

Wir freuen uns auf diesen gemeinsamen Weg! 🌈

Schau dir hier ⬇️ das Video mit dem Interview an und erfahre, warum wir «Sushi nicht wie Raclette essen» können.  


Höre dir meine ganz persönliche Geschichte an! Das musikalisches Hörspiel 👉 «D Reis vo dr Kelonya» 👈 erzählt dir von meiner Reise zum Perlmuttstrand. Es ist mit vielen schönen Liedern geschmückt und berichtet von meinen Begegnungen mit Kindern und vielen anderen Meerestieren.

 

🐢🐬🐋🐙 Somit wünsche ich dir viel Spass bei diesem tierischen Abenteuer!🐝🦁🐧🐒

❤️-lichst

unterschrift kelonya | kelonya.ch

Header Foto: © Silvia Frey, kyma-sea.org


Gönnt unseren Meeren eine Pause!

Gönnt unseren Meeren eine Pause!

Meister Pelikan fragt bei Dr. phil. nat. Meeresschutzbiologin Silvia Frey, Gründerin der Meeresschutz-Organisation 👉 Kyma-Sea 👈 nach, wie es um das Leben im Meer steht.

Vorwort von Meister Pelikan:

Ich und meine Tierschar setzen uns für eine bessere Welt ein und die Kinder sollen hier eine wichtige Rolle übernehmen. Manchmal kann man mit wenig ganz viel erreichen. Es gibt aber auch Themen, bei denen es noch sehr viel Arbeit braucht. Z.B. beim Fischfang. Die Überfischung unserer Meere ist ein sehr ernstes Problem. Hier treffen wir auf eine sehr grosse Herausforderung.

Wie gross diese ist und wie schlimm es um die Fischbestände im Meer steht erzählt Silvia Frey in einem Interview mit mir. Dabei erzählt sie auch von sehr traurigen Tatsachen. Trotzdem sollten wir uns von diesen nicht abschrecken lassen, sondern ihnen mutig ins Auge blicken und uns überlegen, was wir als Fischesserinnen und -esser zu dieser Situation beitragen können. Denn es gibt Hoffnung, wenn wir dem Meer eine Pause gönnen und in Zukunft rücksichtsvoller mit den Schätzen im Meer umgehen.

Meister Pelikan: «Hallo Silvia, ich freue mich mit dir sprechen zu dürfen. Ich bin ein typischer Fischer. Ich erbeute aber immer nur so viel, wie ich gerade brauche. Die Menschen fischen anders. Mit Netzen und Langleinen fangen sie viele Tonnen an Meerestieren. Gibt es überhaupt so etwas wie nachhaltige Meeresfischerei?»

Silvia Frey: «Nachhaltige Fischerei würde ja bedeuten, dass man einen weitsichtigen und rücksichtsvollen Umgang mit den Fischbeständen betreiben würde. Dies ist im weltweiten Fischfang und- Konsum leider ein Märchen, denn über 90% der Fischbestände sind bis an die Grenzen genutzt, überfischt oder erschöpft.

Jedes Jahr werden weniger Fische gefangen, da es immer weniger von ihnen gibt. Damit geben sich die Menschen aber nicht zufrieden. Sie vergrössern und ändern einfach die Fanggebiete, oder verfeinern die technischen Möglichkeiten für die Tiefsee- und die Hochseefischerei. Noch vor 60 Jahren befischte man nur 60% der weltweiten Ozeane, heute sind es schon 90%. Die Fischerboote müssen also heute viel längere Strecken zurücklegen und fangen trotzdem viel weniger Fische als früher.»

Meister Pelikan: «Was passiert dabei mit den verschiedenen Arten?»

Silvia Frey: «Wie auch an Land stehen im Meer verschiedene Pflanzen und Tiere miteinander in Verbindung in sogenannten Nahrungsnetzen. Die Fischerei hat diese natürlichen Beziehungen der Pflanzen und Tiere untereinander in den letzten Jahrzehnten stark beeinflusst.

In dem man nicht mehr so viele grosse Tiere fangen konnte, hat man sich auf die Jagd nach immer kleineren Arten gemacht. Dabei fängt die Fischerei heutzutage auch die Jungfische und die Beute der grösseren Arten, von denen es sowieso nicht mehr so viele gibt. So können sich dann die grösseren Meerestiere nicht mehr erholen.

Das Gleichgewicht in den Lebensgemeinschaften und Ökosystemen im Meer verändert sich durch die Fischerei auf diese Weise sehr stark.»

Meister Pelikan: «Essen die Menschen denn immer mehr Fisch und Meeresfrüchte?»

Silvia Frey: «So ist es. Der weltweite Fischkonsum stieg seit 1961 jährlich sehr stark an und erhöhte sich von durchschnittlich 9 kg auf 20.3 kg pro Person und Jahr.

Die Meere sind erschöpft – kein Label kann dies ändern, wenn wir nicht bereit sind, unseren Konsum einzuschränken oder – sofern wir nicht auf Meerestiere als Nahrungsquelle angewiesen sind – ganz darauf zu verzichten. So können wir mithelfen, dass sich Meerestiere wieder erholen können.

Ausserdem können sich so jene Menschen, die in Ländern leben, wo Fisch für das Überleben grundlegend ist, auch wirklich davon ernähren.»

Fische-Im-Netz-am-Strand

Meister Pelikan: «Klingt einleuchtend. Trotzdem schreitet die Plünderung der Meere weiter voran.»

Silvia Frey: «Das ist leider richtig. Wenn mehr verbraucht wird, als nachwächst, entsteht eine Übernutzung. Diese wird auch als Überfischung bezeichnet.

Sie liegt vor, wenn über viele Jahre mehr Fische gefangen werden als durch Vermehrung hinzukommen. Gemäss der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat sich der weltweite Anteil an überfischten Fischbeständen innerhalb der letzten 40 Jahren verdreifacht.

Das Mittelmeer und das Schwarze Meer sind am meisten überfischt. Betroffen von der Überfischung sind hier sowohl Fische wie Seehecht, Rotbarbe, Seezunge, Sardellen und Sardinen. Aber auch Krebstiere wie Garnelen und Weichtiere wie der Oktopus und andere Tintenfische leiden stark darunter. » 

Meister Pelikan: «Kannst du ein Beispiel für eine gefährdete Fischart nennen?»

Silvia Frey: «Klar, zum Beispiel der Thunfisch: Er ist auf der ganzen Welt ein sehr beliebter Speisefisch. Es gibt acht Thunfischarten weltweit. Die Hälfte der Arten ist wegen der Überfischung sehr gefährdet. Ihr weltweiter Bestand geht sehr stark zurück.

Der Rote Thun (auch Nordatlantischer Thun oder Atlantischer Blauflossen Thunfisch genannt) ist besonders teuer; aus seinem Fleisch wird unter anderem Thunfisch-Sushi gemacht. Die Art gilt als stark gefährdet.

Trotz grosser Anstrengung der Forschung können Thunfische bis heute nicht gezüchtet werden. Um die jüngeren Tiere schneller grösser und schwerer werden zu lassen, wird der Rote Thun gefangen und in speziellen Farmen aufgefüttert. Weil für diese Tiere sehr hohe Preise bezahlt werden und die Nachfrage sehr gross ist, befürchtet man, dass sehr viele Tiere illegal gefangen und gemästet werden.

Ich empfehle deshalb, weder Thunfisch- Sushi noch andere Thunfisch Produkte zu essen, und damit den Schutz von Thunfischen zu unterstützen.»

Werbungsplakat-gegen-Beifang | kelonya.ch

Meister Pelikan: «Wenn es um die Hoch- und Tiefsee-Fischerei geht, wird immer vom Begriff ‹Beifang› gesprochen. Was ist das genau?»

Silvia Frey: «Beifang sind alle versehentlich gefangenen Meerestiere, die nicht der Art entsprechen, die man eigentlich fangen wollte. Ein grosser Teil dieser Tiere wirft man schwer verletzt oder tot wieder über Bord.

Schätzungen zufolge macht der Beifang bis 40% der gesamten Fangmenge weltweit aus. Das sind über 10 Millionen Tonnen Meerestiere, darunter Fische, Meeresschildkröten, Seevögel, Wale, Robben, Delfine, Haie, Rochen und Korallen.

Moderne Fischereimethoden wählen ihre Beute nicht aus. Deshalb kommt es oft zu Beifang. Zu den Methoden mit der höchsten Beifangmenge zählen Schleppnetze, pelagische Langleinen und pelagische Kiemennetze.»

Meister Pelikan: «Von vielen dieser Fangmethoden habe ich noch nie gehört. Wie funktionieren die?»

Silvia Frey: «Mit Bodenschleppnetzen werden vor allem Krebstiere wie Garnelen und Plattfische gefangen. Die Netze werden über den Meeresboden gezogen und verschlingen alles, was in Bodennähe lebt. Die Garnelenfischerei verursacht dabei die höchste Beifangmenge. Die versehentlich gefangenen Meerestiere machen bis zu 80% des Gesamtfangs aus.

Pelagische Langleinen sind mehrere Kilometer lang und mit zahlreichen Köderhaken versehen. Damit versucht man vor allem Thunfische und Schwertfische zu fangen. Auch hier gibt es sehr viel Beifang insbesondere von Seevögeln, Haien und Meeresschildkröten.

Pelagische Kiemennetze werden unter anderem für den Fang von Lachsen, Makrelen und Heringen eingesetzt.»

Meister Pelikan: «Das klingt sehr gefährlich. Was bedeutet das für die Meerestiere?»

Silvia Frey: «Pro Jahr verenden schätzungsweise 1 Million Seevögel, 250’000 Meeresschildkröten, 300’000 Wale und Delfine und mehrere Millionen Haie und Rochen als Beifang in Fischereigeräten. Auch eine grosse Zahl an Jungfischen endet als Beifang und ist für die Vermehrung der Art verloren.

Ich empfehle: Finger weg von Meerestierarten, die mit solch wahllosen Fangmethoden gefangen werden, denn auf dem Teller würde eigentlich nicht nur das Thunfischsteak, sondern auch Meeresschildkröte, Seevogel und der Hai liegen.» 

Meister Pelikan: «Haie leiden also auch unter der Überfischung?»

Silvia Frey: «Nicht nur Haie, auch Rochen sind dadurch sehr unter Druck geraten. Schätzungsweise die Hälfte aller Hai- und Rochenarten ist gefährdet.

Entweder es wird gezielt nach ihnen gefischt, oder sie landen als Beifang in den Schleppnetzen. Hunderttausende Haie und Rochen werden jedes Jahr gefangen, deshalb gibt es immer weniger von ihnen.

Auch die Wasserverschmutzung und der Klimawandel macht den Tieren zu schaffen. Dadurch dass immer mehr Ozeanfläche befischt wird, bleibt für die Haie fast kein Platz mehr, um sich zurückzuziehen. 100 Millionen Haie sterben pro Jahr.

Sie und auch die Rochen sind aber sehr langlebige Tiere. Sie wachsen langsam und vermehren sich erst nach mehreren Jahren. Das macht sie sehr anfällig auf Überfischung.»

Turm aus Fischstäbchen | kelonya.ch

Meister Pelikan: «Weshalb macht man Jagd auf Haie?»

Silvia Frey: «Man jagt sie gezielt wegen ihrer Rückenflossen, den Finnen. Damit stellen sie in einigen Ländern Haifischflossensuppe her. Beim sogenannten ‹Finning› werden den Tieren bei lebendigem Leib die Finnen abgetrennt. Danach werden sie wieder über Bord geworfen, wo sie elendiglich zu Grunde gehen.

In der Haifischflossensuppe gibt es neben den Flossen von Haien auch Flossen von Sägerochen. In der EU ist das Finning verboten, aber es gibt noch viel Orte, wo es dazu keine Regeln gibt.

Gejagt werden die Haie aber auch wegen ihrem Fleisch, dem Öl aus ihrer Leber sowie ihrem Knorpelskelett. Die gefährdeten Manta Rochen werden wegen ihren Kiemenplatten gejagt, welche man in der chinesischen Medizin verwendet.»

Meister Pelikan: «Solchen Produkten muss man also dringend aus dem Weg gehen!»

Silvia Frey: «Unbedingt! Stell dir vor: Seit Urzeiten leben Haie und Rochen in unseren Ozeanen. Wenn wir nicht handeln, werden sie aussterben. Deshalb ist es wichtig auf Haifischflossensuppe oder Haifischsteaks zu verzichten.

Aufpassen muss man aber auch bei Fischangeboten mit irreführendem Namensetikett, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmittel oder Tierfutter.»

Werbung gegen den kommerziellen Fischfang kelonya.ch

Meister Pelikan: «Wären denn Fischzuchten eine ökologische Alternative zur Industriefischerei?»

Silvia Frey: «Leider nicht. Heute stammt fast die Hälfte aller Fische auf unserem Teller aus Fischzuchten. Dieser Anteil wird weiter zunehmen. Weil es im Meer immer weniger Fische gibt, die Nachfrage nach Fisch aber weiter steigt.

Vielen Menschen erscheint die Fischzucht (Aquakultur) als eine schonende Alternative für die wilden Fischbestände zu sein. Das Gegenteil ist jedoch oft der Fall.

Viele der gezüchteten und beliebten Speisefische in reicheren Ländern sind nämlich carnivor (fleischfressend). Das bedeutet, dass sie mit Fischöl und Fischmehl von wild gefangen Fischen, wie z.B. Sardellen und Sardinen gefüttert werden. In Intensivzuchten bedeutet dies, dass je nach gezüchteter Art pro Kilogramm Zuchtfisch ein Mehrfaches an Wildfisch in Form von Fischmehl verfüttert wird.

Die Überfischung wird dadurch nicht gebremst, sondern verstärkt. Sogar Fische wie Karpfen und Tilapia, die sich fast nur vegetarisch ernähren, werden in Zuchten mit Fischmehl gefüttert, damit sie schneller an Gewicht zulegen. Viele Fischzuchten betreiben Intensivmast zur maximalen Fleischgewinnung.»

Meister Pelikan: «Ein Teufelskreis…»

Silvia Frey: «Du sagst es. Es gibt aber auch noch andere Probleme: Ähnlich wie bei der intensiven Tierhaltung an Land sind in Intensivzuchten Infektionskrankheiten von Fischen und Krebstieren ein grosses Problem.

Krankheitserreger verbreiten sich im Wasser schnell und es besteht Gefahr der Krankheitsübertragung an Wildfische im umliegenden Gewässer. Werden Fische gezüchtet, die nicht im Gebiet vorkommen oder genetisch verändert wurden und sie aus der Zucht ins Meer entkommen, besteht zudem die Gefahr der Veränderung der natürlichen genetischen Vielfalt der Wildpopulationen.»

Meister Pelikan: «Viele Menschen mögen Lachs. Vor allem an speziellen Anlässen. Was gibt es über ihn zu berichten?»

Silvia Frey: «Der Atlantische Lachs ist der am meisten gezüchtete Lachsfisch der Welt. Atlantische Lachse entkommen relativ häufig den Zuchtgehegen.

Die Zuchtlachse paaren sich dann mit ihren wilden Artgenossen. Ihre veränderte Genzusammensetzung führt zu einem Rückgang der ansässigen wilden Tiere. Ausserdem nehmen die Zuchtlachse den heimischen Tierarten Lebensraum und Futter weg.

Man hat herausgefunden, dass der Atlantische Zuchtlachs sehr stark mit Schadstoffen und Giften belastet ist. Es wurden sogar giftige Flammschutzmittel in seinem Fleisch nachgewiesen. Diese Schadstoffe stammen aus dem Futter, das aus Fischmehl besteht. Dieses stellt man aus Fischen her, die auch mit Giftstoffen belastet sind.

Ausserdem wird dem Futter auch noch ein Stoff namens Ethoxyquin beigemischt, um es haltbarer zu machen. Dieser Stoff verwendete man früher als Pestizid; heute ist er aber verboten. Als Futterzusatz ist er dennoch erlaubt. Es gibt Hinweise darauf, dass Ethoxyquin krebserregend ist.» 

Meister Pelikan: «Es scheint, als würde man in der Meeresfischerei und in den Aquakulturen nicht so stark auf das Tierwohl achten!? »

Silvia Frey: «Im Vergleich zur Haltung und Nutzung von Landtieren wird in der Meeresfischerei und in den marinen Intensivzuchten dem Tierschutz und Tierwohl kein hoher Stellenwert eingeräumt.

In der Öffentlichkeit wird bisher kaum Notiz davon genommen, wie Fische, Weich- und Krebstiere verenden oder wie sie in Zuchten ihr trauriges Dasein fristen. Dabei ist mittlerweile bei vielen dieser Meeresbewohner unbestritten, dass sie über komplexe Nervensysteme verfügen und empfindsame Wesen sind.» 

Fischkutter mit Netz im Schlepptau | kelonya.ch

Meister Pelikan: «Hier müssen die Menschen unbedingt anfangen umzudenken!»

Silvia Frey: «Vielerorts wird darauf geachtet, dass Tiere getötet werden ohne ihnen Leiden zu zu fügen (entweder durch vorheriges bewusstlos machen oder unmittelbares Töten).

Bei Meerestieren gilt dieser Grundsatz nur ganz selten. Ein Grossteil der schätzungsweise 1-3 Billionen gefangener Meeresfische verendet qualvoll. Sie werden entweder in den Netzen erdrückt, ersticken an Deck der Fangschiffe oder werden bei vollem Bewusstsein verarbeitet.

Auch bei den Krebstieren sind die Tötungsmethoden keineswegs human: Obwohl sie nachweislich schmerzempfindlich sind, werden Garnelen und Hummer unbetäubt vergast, eingefroren oder ins kochende Wasser geworfen und sind einem Todeskampf ausgesetzt.

In der Schweiz dürfen Krebstiere zum Glück seit dem 1.3. 2018 nur noch betäubt gekocht werden.» 

Meister Pelikan: «Schrecklich! In Intensivzuchten leben sehr viele Tiere auf einem kleinen Raum. Kommt es dort zu Problemen?»

Silvia Frey: «Absolut! Sie können ihre natürlichen Bedürfnisse nicht ausleben. Die Folgen davon sind gesundheitliche Probleme, Deformationen und Verhaltensstörungen.

Die Fische sind chronischem Stress ausgesetzt, erleben Verletzungen, sind teilweise aggressiv oder ihr Immunsystem ist geschwächt.» 

Meister Pelikan: «Ist auch Kreon, der schlaue Krake aus dem Hörspiel ‹D’ Reis vo dr Kelonya› durch die Überfischung gefährdet?»

Silvia Frey: «Ja, leider trifft es auch ihn. Tintenfische gehören wie Muscheln zu den Weichtieren. Sie sind aber sehr spezielle Wesen. Wie du sagst, sind sie sehr schlau und zeigen viele verschiedene Verhaltensweisen.

Wir kennen etwa 800 verschiedene, heute lebende Arten weltweit. Durch die Überfischung gibt es aber immer weniger von ihnen. Man versucht deshalb Tintenfische zu züchten. Wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lehnen dies aber absolut ab.

Tintenfische sind Fleischfresser. Damit sie satt werden, brauchen sie das Dreifache ihres Körpergewichtes an Nahrung. Diese Nahrung besteht natürlich auch wieder aus dem Mehl von wild gefangenen Fischen. Die Tintenfischzucht verstärkt also noch die Überfischung der Meere.

Ausserdem sind Tintenfische sehr hoch entwickelte, empfindsame Wesen. Damit sie sich wohlfühlen, brauchen sie eine an ihre Bedürfnisse angepasste Umgebung. In einer Intensivzucht ist diese Voraussetzung aber absolut nicht gegeben und die Tintenfische werden krank, aggressiv oder sterben sogar. Aus all diesen Gründen ist es empfehlenswert, Tintenfische nicht zu essen, sondern zu ihrem Schutz beizutragen!» 

Meister Pelikan: «Wie gesund sind Meerfisch & Co. tatsächlich?»

Silvia Frey: «Noch immer wird der regelmässige Konsum von Fischen angepriesen. Fische enthalten tatsächlich viele Proteine und essenzielle Omega-3-Fettsäuren, die für unsere Gesundheit wichtig sind. Dafür gibt es jedoch Alternativen.

Meerfische und Krebstiere können nämlich ziemliche Mengen an Schadstoffen enthalten. Unsere Meere sind mit zahlreichen Schadstoffen und Giften belastet. Diese Schadstoffe reichern sich insbesondere in Meerestieren an, die am Ende der Nahrungskette stehen und fettreich sind.

Dazu gehören beliebte, grosse Speisefische wie Thunfisch, Schwertfisch und Lachs, welche die Schadstoffe über die Nahrung aufnehmen. Auch Sardinen reichern Schadstoffe an und werden vor allem als Futterfische für gezüchtete Arten in Aquakulturen verwendet. Die Schadstoffe können so auf die Zuchttiere übergehen.

Trotzdem wollen noch immer viele Menschen Fisch und Meeresfrüchte konsumieren. Der Grossteil der heute verkauften und gegessenen Garnelen, stammt aus Zuchten. Dort werden nebst Pestiziden grosse Mengen an Antibiotika eingesetzt, um einem Krankheitsausbruch bei den dicht an dicht gehaltenen Krebstieren in den Zuchtbecken vorzubeugen. Die Stoffe gelangen in die Umwelt und in die Garnelen.

Als gesund können auf diese Weise gezüchtete Garnelen nicht gelten.» 

Robbe auf verlassenem Fischernetz | kelonya.ch

Meister Pelikan: «Was ist mit dem Mikroplastik, mit dem ja auch Kelonya, die Meeresschildkröte aus dem Hörspiel 👉 D Reis vo dr Kelonya👈 in Berührung kommt?»

Silvia Frey: «In den letzten Jahren häufen sich Studien, die zeigen, dass Meerestiere mit Mikroplastik belastet sind. Wieviel wir davon beim Fischkonsum zu uns nehmen, ist noch unklar.

Anders sieht das bei Muscheln aus. Bei einer durchschnittlichen Portion Miesmuscheln nehmen wir 90 Plastikpartikel und bei Austern 50 Plastikpartikel auf.

Was dies für die menschliche Gesundheit bedeutet, ist bislang nicht ausreichend geklärt.» 

Meister Pelikan: «Zum Schluss noch ein paar abschliessende Worte darüber, was die Meeresspeise auf unserem Teller mit der Zerstörung von Lebensräumen im Meer und der Plastikverschmutzung zu tun hat?»

Silvia Frey: «Die Meeresfischerei und Zucht verändert und zerstört Lebensräume und Ökosysteme in den Ozeanen in massiver Weise.

Schleppfischerei

Bodenschleppnetze, die zum Fang von bodennah lebenden Fischen und Krebstieren eingesetzt werden, pflügen und planieren den Meeresboden jährlich auf einer weltweiten Fläche die schätzungsweise 150 Mal grösser ist als die gerodete Waldfläche an Land.

Dabei werden ganze Lebensgemeinschaften und -strukturen zerstört, auch Korallenriffe, welche sehr wichtige Ökosysteme mit höchster Artenvielfalt im Meer sind.

Die Schleppnetzfischerei macht auch vor Schutzgebieten nicht Halt – im Gegenteil. Einer Studie zufolge werden 59% dieser geschützten Gebiete in Europa nicht nur regelmässig, sondern auch intensiver befischt als nicht geschützte Gebiete.

Je tiefer die Grundschleppnetze fischen, desto mehr Beifang tritt auf, deshalb empfehlen WissenschaftlerInnen ein Tiefenlimit von 600m. Die Grundschleppfischerei ist für fast 50% der weltweiten Beifänge verantwortlich.

Aquakulturen

Auch Aquakulturen im Meer können starke negative Umwelteinflüsse haben. Das Futter und die Ausscheidungen der Zuchtfische sowie von zugesetzten Chemikalien überdüngen das umliegende Wasser und Schadstoffe gelangen deshalb ins Meer. Die Wasserqualität leidet dadurch erheblich, was wiederum den gezüchteten Tieren aber auch den umliegenden Lebensräumen und Lebensgemeinschaften schadet.

Vor allem die Zucht von Krebstieren, insbesondere Garnelen, hat in gewissen Regionen, wie z.B. Asien Hochkonjunktur. Riesige Mangrovengebiete wurden für Garnelenzuchten in Bangladesh, Thailand, Indonesien und den Philippinen gerodet. Damit gingen wichtige ‹Kinderstuben› für Fische und andere Meereslebewesen verloren, von denen auch die lokale Bevölkerung abhängig war. Gleichzeitig verloren die Küsten dadurch den Schutz vor Erosion.  

Netzte und Leinen

Geschätzte 640’000 Tonnen Fischernetze, Fischerleinen und Fischfallen gelangen jedes Jahr versehentlich oder absichtlich entsorgt ins Meer.

Die Fischereigeräte sind vornehmlich aus Kunststoff gefertigt, robust und stellen deshalb für Jahrzehnte eine Bedrohung für Meereslebewesen dar, die sich darin verfangen. So ergeht es auch der Meeresschildkröte Kelonya im Hörspiel 👉D Reis vo dr Kelonya👈. Schätzungsweise über 136’000 Robben und Wale und Zehntausende andere Meerestiere wie Meeresschildkröten sind alljährlich davon betroffen.

Die im Meer entsorgten oder verloren gegangenen Fischereigeräte machen schätzungsweise 10% des Plastiks im Meer aus!» 

Meister Pelikan: «Das alles macht das Leben für die Meerestiere sehr schwierig … gibt es für die Zukunft Hoffnung auf Besserung?»

Silvia Frey: «Ja, die gibt es auf jeden Fall. Erst kürzlich präsentierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konkrete Massnahmen, durch welche die Ozeane sich innerhalb der nächsten 20-30 Jahre erholen könnten und damit unsere Mitlebewesen im Meer geschützt werden könnten.

Dies braucht jedoch Anstrengungen von allen Regierungen weltweit. Beispielsweise muss die weltweite Fischerei besser geregelt und überwacht werden und es braucht mehr funktionierende Meeresschutzgebiete. Letztlich unterstützt auch die Veränderung des Verhaltens jeder einzelnen Person den Schutz des Lebens in den Ozeanen. Das heisst z.B.: Sorgsamer Umgang mit Abfall, achtsamer Konsum und die Stimme jenen Personen und Organisationen leihen, die sich für den Schutz der Ozeane einsetzen.

Ich bin absolut hoffnungsvoll, dass uns dies alles gelingen wird, doch es liegt noch viel Arbeit vor uns.» 

Streifendelfin springt aus dem Wasser | kelonya.ch

🐢🐬🐋🐙 Ich hoffe, bei diesem Gespräch konntest du viel lernen – auch wenn hier viel trauriges erzählt wurde.

Dein Nachdenken ist aber sehr wichtig! Und deshalb wünsche ich dir nun viele positive Gedanken, wie du zum Erhalt der Meerestiere beitragen kannst! 🐝🦁🐧🐒

❤️-lichst

Unterschrift-Pelikan | kelonya.ch

Sylvia Frey von Kyma-sea.org | kelonya.ch

Autorin: Dr. phil. nat. / Meeresschutzbiologin Silvia Frey, Geschäftsleitung & Verantwortliche für Forschungsprojekte bei der gemeinnützigen Meeresschutzorganisation KYMA sea conservation & research (www.kyma-sea.org)

«Seit 23 Jahren arbeite ich im Bereich Meeresschutz. Im Rahmen von Forschungsprojekten bin ich regelmässig auf dem Meer unterwegs. Ich bin immer wieder fasziniert von der Schönheit und der Vielfalt an Leben in den Ozeanen. Mit grosser Sorge sehe ich jedoch auch die zunehmende Gefährdung der Meereslebewesen durch menschliche Aktivitäten wie beispielsweise die Verschmutzung durch Plastik und die Überfischung. Die Meere sind in einem desolaten Zustand und jeder Einsatz, ob gross oder klein ist nötig und kostbar, um dies zu ändern.
Dies ist auch der Grund, weshalb ich KYMA sea conservation & research ins Leben gerufen habe und ich bin sehr dankbar für die grossartigen Menschen, die sich bei KYMA im Vorstand und Team engagieren.
Ich setze mich mit meinem Wissen und meiner beruflichen Erfahrung dafür ein, dass KYMA Menschen bewegt, berührt und fasziniert, sie jedoch auch zum Nachdenken und Handeln bewegt, damit das Leben in den Ozeanen eine Zukunft hat.»

👉 kyma-sea.org 👈

Bearbeitung: Cathryn Lehmann
Schriftsatz, Grafik: Thom Wettstein


Header Foto: © Nils95, Pixabay Fischernetz Foto: © Ssezer66, AdobeStock Fischkutter Foto: © Bruno Barracuda, AdobeStock Robbe Foto: © LegoLeo1986, Shutterstock  Restliche Fotos: © Silvia Frey & Kyma-Sea.org


Quallen - faszinierende, unbekannte Wesen.

Quallen - faszinierende, unbekannte Wesen. ✨

Meister Pelikan fragt bei Aurelia, der Qualle aus dem Hörspiel « 👉 D Reis vo dr Kelonya 👈» nach.

Meister Pelikan: «Hallo Aurelia, ich freue mich mit dir sprechen zu dürfen. Ihr Quallen seid sehr exotische Wesen für mich. Ihr seht manchmal ein wenig aus wie Ausserirdische.»

Qualle Aurelia: «Stimmt! Wir Quallen gehören zu einem Stamm namens Cnidarian – das klingt ja auch ein wenig ausserirdisch, findest du nicht? Unser Stamm besteht aus einer großen Anzahl von verschiedenen Tieren, die fast alle im Meer leben. 🛸

Wir sind Nesseltiere und haben ein zentrales Maul, das von Tentakeln umgeben ist. Die Tentakel besitzen Stachelzellen, die man Nematozysten nennt. Die winzigen Stachelzellen an unseren Tentakeln betäuben oder lähmen unsere Beute, bevor wir sie fressen. Die Tentakel benutzen wir wie Arme, um unsere Beute zu fangen. Diese ziehen wir dann in unser Maul um sie zu verzehren. ⚠️

Unser Körper hat die Form einer Glocke. Darin befindet sich unser Maul. Diese Öffnung benutzen wir zum Fressen und zum Entsorgen der Abfälle. Zu unserer Gruppe gehören auch die Korallen. Du kennst sie, die Blumentierchen aus dem Hörspiel «👉 D Reis vo dr Kelonya 👈». 

Meister Pelikan: «Genau! Sie bilden ja ganze Korallen-Riffe. Davon werde ich aber ein anderes Mal berichten. Wie lange gibt es denn schon Quallen in den Ozeanen?»

Qualle Aurelia: «Stell dir vor: Wir sind älter als Dinosaurier! Wir Quallen schwimmen schon seit Millionen von Jahren in den Ozeanen. Uns gab es schon, bevor die Dinosaurier auf der Erde lebten. 🦖

Geologen haben auf der ganzen Welt Versteinerungen von uns Quallen im Sandstein entdeckt. Solche Versteinerungen entstehen unter speziellen Bedingungen, wenn Tiere schnell vergraben werden und ihr Abdruck deshalb in den Felsen erhalten bleibt. 🗻

Wir Quallen bilden also eine Brücke zwischen den einfachen, uralten Lebensformen und dem vielfältig sprudelnden Leben, das wir heute kennen.» 🌍

Meister Pelikan: «Ich bin beeindruckt. Gibt es eigentlich Quallen in allen Meeren der Welt?»

Qualle Aurelia: «Ja! Wir sind in kalten und warmen, tiefen und flachen Gewässern zu finden. Uns gibt es in allen erdenklichen Farben. Einige Quallen sind durchsichtig, andere leuchten rosa, gelb, blau oder violett. 🌈

Wir können sogar biolumineszent sein. Das heisst, wir erzeugen unser eigenes Licht und leuchten im Dunkeln! So wie du es von Leuchtkäfern kennst. 💡

Es gibt uns auch in allen Formen und Größen, von der Größe eines Daumennagels bis zu fast 30 m Länge. Wie du schon bemerkt hast, sind wir sehr seltsam aussehende Tiere: Eine unserer Arten sieht zum Beispiel aus wie ein Spiegelei (Spiegeleiqualle – Cotylorhiza tuberculata), eine andere wie ein Blumenkohl (Lungenqualle – Rhizostoma pulmo) oder sogar wie ein Spielzeug-Segelboot (Velella velella).» ⛵️

Spiegelei-Qualle | kelonya.ch
Spiegelei Qualle - Cotylorhiza tuberculata

Meister Pelikan: «Was steht auf eurem Menu-Plan? Fleisch oder Vegi?»

Qualle Aurelia: «Wir Quallen sind ausschließlich Fleischfresser. Auf unserem Speiseplan stehen winzige Garnelen, Krebse, Fischeier, kleine Fische und sogar einige Quallen-Arten. 🦀

Wir verdauen unsere Nahrung sehr schnell. Wenn wir das nicht täten, könnten wir nicht schwimmen, da die großen, unverdauten Tiere für unseren Körper viel zu schwer sind.»  ⚖️

Meister Pelikan: «Und welche Meerestiere haben denn euch Quallen zum Fressen gern?»

Qualle Aurelia: «Wir Quallen sind eine schmackhafte Mahlzeit für viele Meeresbewohner, insbesondere für Meeresschildkröten. Hör dir dazu das Hörspiel von Kelonya der Meeresschildkröte an. 🐢

Und stell dir vor:  Der Mondfisch (Mola – mola), der schwerste Knochenfisch der Welt (ausgewachsene Tier können über 1 Tonne wiegen) ernährt sich fast ausschließlich von Quallen. 🌝

Wir stehen ausserdem auf der Speisekarte von Thunfischen, Delphinen, Pinguinen und Möwen. Du siehst, wir sind ein wichtiger Teil des Ökosystems (Lebensraum mit Pflanzen und Tieren) der Ozeane.» 🌊

Meister Pelikan: «Ich möchte dir ja nicht zu nahe treten, liebe Aurelia, aber kann es sein, dass du gar kein Hirn hast?»

Qualle Aurelia: «Das stimmt tatsächlich. Wir Quallen besitzen kein Hirn, kein Herz und keine Lunge.» ❤️

Meister Pelikan: «Wie um alles in der Welt kannst du denn überleben ohne diese wichtigen Organe?»

Qualle Aurelia: «Unsere Haut ist so dünn, dass wir den Sauerstoff direkt durch sie hindurch aufnehmen können. Wir brauchen deshalb gar keine Lungen. Auch fehlt es uns an Blut, also brauchen wir auch kein Herz, um es durch unseren Körper zu pumpen. 🩸

Wir reagieren auf die Veränderungen in unserer Umgebung mit Signalen aus einem Nervennetz direkt unter unserer Epidermis. Das ist die äussere Hautschicht. Diese reagiert auf Berührungen, so dass wir kein Gehirn brauchen, um komplizierte Gedanken zu verarbeiten. Wir Quallen haben auch keine linke oder rechte Seite. Es gibt für uns weder hinten, noch vorne. » 🏐

Meister Pelikan: Faszinierend! «Du hast ja am Anfang von deinen Tentakeln gesprochen. Erzähl mir mehr darüber.»

Qualle Aurelia: «Wir Quallen können extrem lange Tentakel haben. Die Löwenmähnenqualle (Gelbe Haarqualle – Cyanea capillata) ist die grösste Quallenart der Welt. Ihre Tentakel werden fast 30 Meter lang. Damit ist sie gleich lang wie der Blauwal, das grösste Säugetier der Welt.» 🐋

Meister Pelikan: «Quallenstiche können für den Menschen gefährlich sein, oder?»

Qualle Aurelia: «Richtig! Quallenstiche können für Menschen sehr schmerzhaft sein. Aber Quallen greifen Menschen nicht absichtlich an. Die meisten Stiche passieren dann, wenn Menschen versehentlich eine Qualle berühren. 🤿

Ich muss aber zugeben, einige von uns Quallen können für Menschen tatsächlich tödlich sein. Vielleicht hast du schon von der australische Kastenqualle (Seewespe – Chironex fleckeri) gehört? Sie gilt als das giftigste Meerestier der Erde. Ihr Stich kann innerhalb weniger Minuten zu Lähmungen, Herzstillstand und zum Tod führen.» ☠️

Rote Qualle abtauchend | kelonya.ch
Rote Qualle - Chrysaora sp

Meister Pelikan: Wie gehen Quallen mit dem Plastikmüll im Meer um?

Qualle Aurelia: «Leider werden alle Quallenarten durch die Verschmutzung der Ozeane durch Plastik negativ beeinflusst. Wir verfangen uns mit unseren langen Tentakeln in den Plastiktrümmern und können so sterben. ⚠️

Auch die Mikrokunststoffe (kleinere Kunststoffteile) machen mir Sorgen. Wir Quallen essen sie, weil wir die bunten Kunststoffteile mit unserer gewohnten Nahrung verwechseln. 🍽

Dies ist ein Problem für die gesamte Nahrungskette im Meer, da jedes Tier, das danach eine Qualle frisst, auch den Kunststoff aufnimmt. 🤒

Höre dazu auch dazu die Szene im Hörspiel «👉 D Reis vo dr Kelonya! 👈»

Meister Pelikan: «Lass uns wieder über erfreulichere Themen sprechen.»

Qualle Aurelia: «Gern. Hast du gewusst, dass es Quallen gibt, die sogar jünger werden können?  👶

Wenn die Umgebung für die Qualle (Turritopsis dohrnii) nicht optimal ist, und sie sich deshalb nicht gut in ihrer erwachsenen Form fühlt, kann sie zur Polypen-Form zurückkehren. Das bedeutet, dass sie in der Lage ist, sich rückwärts durch ihr Leben zu bewegen und in einen weniger reifen körperlichen Zustand zurückzukehren. ⏪

Das ist, als könnte sich jeder von uns einfach weigern, weiter als Erwachsener zu leben und sich dafür entscheiden, wieder ein kleines Kind zu werden.» 🚼

Meister Pelikan: «Gibt es auch Quallen in Schweizer Seen?»

Qualle Aurelia: «Süsswasserquallen (Craspedacusta sowerbii) leben normalerweise als kleine Polypen auf dem Grund einiger Seen. Doch wenn im Sommer die Bedingungen besonders günstig sind, verwandeln sich die Polypen in freischwimmende Quallen und du kannst sie nahe der Wasseroberfläche des Zürichsees sehen. 💦

Sie werden etwa 2 cm groß. Vor ihnen muss sich aber niemand fürchten – höchstens die winzigen Krebse, welche von ihnen gefressen werden.» 🦀

Meister Pelikan: «Welches ist die weiteste Reise einer Qualle?»

Qualle Aurelia: «Quallen haben es sogar schon bis ins Weltall geschafft! 1991 reisten Mondquallen mit dem Space Shuttle Columbia in den Weltraum, damit Wissenschaftler untersuchen konnten, wie sich die Schwerelosigkeit auf sie auswirkte. 🚀

Die Quallen vermehrten sich im Weltraum. Als sie zur Erde zurückkamen, stellten die Wissenschaftler fest, dass die im Weltraum geborenen Quallen nicht mit der Erdanziehungskraft umgehen konnten.» 🌍

Meister Pelikan: «Ein paar abschliessende Worte?»

Qualle Aurelia: «Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie die Ozeanografin Dr. Karen Kienberger, lernen jeden Tag mehr über uns Quallen! Sie kennen unterdessen etwa 2000 Quallen-Arten. Jedes Jahr werden neue Arten gefunden. 📋

Bis heute hat der Mensch nur 5% bis 10% der Ozeane erforscht. Die tiefsten Stellen der Ozeane sind für die Menschen sogar noch viel unbekannter. Einige Forscherinnen und Forscher schätzen, dass zwei Drittel der Tierarten im Meer noch völlig unentdeckt geblieben sind. Für die Ozeanforscher gibt es noch viel Arbeit.» 🌊

Lungenqualle schwimmend
Lungenqualle - Rhizostoma pulmo

🐢🐬🐋🐙 Ich wünsche dir viel Spass bei diesem tierischen Abenteuer!🐝🦁🐧🐒

❤️-lichst

Unterschrift-Pelikan | kelonya.ch

Autorin: Dr. Karen Kienberger, Ozeanografin
Bearbeitung: Cathryn Lehmann
Schriftsatz, Grafik: Thom Wettstein

Es gibt ein Projekt, das sich um die Erforschung und den Schutz von Quallen einsetzt. Unsere Autorin Dr. Karen Kienberger ist Gründerin dieser Forschungseinrichtung im Süden Spaniens. ☀️

Besuche 👉 the jellyfish research south spain 👈, um mehr über Quallen zu erfahren.


Quellen: https://www.natgeokids.com/nz/discover/animals/sea-life/jellyfish-facts/

Header Foto Meeresschildkröte: © PublicDomainPictures, Pixabay Restliche Fotos: © Darius Enayati & Karen Kienberger


Meeresschildkröte atmend | kelonya.ch

Was du schon immer über Meeresschildkröten wissen wolltest. Ein Interview.

Was du schon immer über Meeresschildkröten wissen wolltest. Ein Interview. 🎙

Meister Pelikan fragt bei Kelonya, der Grünen Meeresschildkröte aus dem Hörspiel  👉 «D Reis vo dr Kelonya» 👈 nach.

Meister Pelikan: «Kelonya, du gehörst ja zur Gattung der Reptilien. Kannst du uns erklären was Reptilien sind?»

Kelonya: «Wir Reptilien sind wechselwarme Tiere. Das bedeutet, dass wir unsere Körpertemperatur unserer Umgebung anpassen. Deshalb mögen wir zum Beispiel ein schönes Sonnenbad um uns aufzuwärmen. ☀️

Wir gehören zu den Wirbeltieren, haben also eine Wirbelsäule, wie die Menschen. Unsere Haut ist trocken und besteht entweder aus Schuppen wie zum Beispiel bei den Schlangen, oder aus Hornplatten, wie bei uns Schildkröten. 🐢

Alle Reptilien atmen die Luft mit Hilfe unserer Lungen. Die meisten Reptilien sind Fleischfresser, und legen Eier an Land um sich zu vermehren. Zu den heute lebenden Reptilien gehören Eidechsen, Schlangen, Schildkröten, Meeresschildkröten, Krokodile und Alligatoren.» 🐊

Meister Pelikan: «Wie lange gibt es schon Meeresschildkröten in den Ozeanen der Welt?»

Kelonya: «Schon sehr, sehr lange. Meeresschildkröten gibt es seit 110 Millionen Jahren. Das bedeutet, dass es uns schon zu Lebzeiten des T-Rex und anderen Dinosauriern gab! 🦖🦕 Damals waren wir die grössten Tiere in den Weltmeeren. Heute ist der Blauwal der Spitzenreiter in Sachen Grösse. Er wird sogar bis 30 Meter lang. 🐋

Es gibt etwa 12’000 Reptilienarten auf der Erde, aber nur etwa 100 davon sind Meeresreptilienarten. Dazu gehören zum Beispiel die Meeresleguane, die Seeschlangen, die Meerwasserkrokodile und natürlich wir Meeresschildkröten.» 🐢

Grüne-Meeresschildkröte-liegend-von-oben | kelonya.ch
Kelonya, die Grüne Meeresschildkröte

Meister Pelikan: «Erzähl mir von eurem Panzer. Was hat es mit ihm auf sich?»

Kelonya: «Die Landschildkröte und die Meeresschildkröte sind die einzigen Reptilien mit einem harten, knochigen Panzer. Er ist wie ein Schutzschild für unseren Körper. 🛡

Er hat eine äußere Schicht aus Horn, und eine innere Schicht aus Knochenplatten. Die äusseren Hornplatten bestehen aus Keratin, demselben Material aus dem auch deine Krallen bestehen oder die Fingernägel der Menschen. 🐾

Die innere Schicht des Panzers einer Schildkröte besteht aus etwa 60 Knochen. Sie gehören zu der Wirbelsäule und den Rippen. Eine Schildkröte kann aus diesem Grund natürlich nicht aus ihrem Panzer kriechen.» 🦴

Meister Pelikan: «Wird der Panzer nicht plötzlich zu klein, wenn die Meeresschildkröte wächst?»

Kelonya:Wenn die Schildkröte größer wird, wird mehr Keratin hinzugefügt. Jeder zusätzliche Ring auf meinem Panzer zeigt einen Wachstumsschub, so ähnlich wie du das vielleicht von den Jahrringen bei Bäumen her kennst. 🌴

Die gewölbte Oberseite nennt man Panzer. Die flache Schicht unter meinem Bauch heisst Plastron. So ein Panzer ist sehr schwer ist. Im Wasser fühle ich mich wunderbar leicht und spüre das Gewicht zum Glück kaum. An Land kann ich mich deswegen jedoch nur sehr langsam fortbewegen. 🐌

Nicht alle Meeresschildkröten haben einen harten Panzer. Es gibt eine Ausnahme: die Lederschildkröte. Ihr Panzer ist gummiartig und ledrig 🐢

Meister Pelikan: «Praktisch, so ein Panzer! Bei Gefahr kannst du dich einfach darin verkriechen, oder?»

Kelonya: «Nein, ich kann meinen Kopf und die Flossen nicht einziehen. Zum Glück muss ich aber eher selten vor Raubtieren flüchten. Wir Meeresschildkröten sind vor allem beim Nisten und Schlüpfen sehr verletzlich.» 🩸

Meister Pelikan: «Du bleibst ja teilweise sehr lange unter Wasser. Wie machst du das eigentlich mit dem Atmen?“

Kelonya: «Wir Meeresschildkröten atmen wie alle Reptilien Luft und müssen deshalb immer wieder auftauchen. Da wir aber die meiste Zeit unter Wasser verbringen, ist es wichtig, dass wir den Atem richtig lange anhalten können, um nicht so oft auftauchen zu müssen. 🤿

Wenn ich zum Beispiel Futter suche und mich stark bewege dabei, kann ich nur etwa 5 bis 40 Minuten unter Wasser bleiben.
Beim Schlafen sind es immerhin 4 bis 7 Stunden.
Wenn ich zum Atmen auftauche, kann ich meine Lungen mit einer einzigen Ausatmung und einer schnellen Einatmung wieder auffüllen. Ich habe grosse Lungen und mein Blut kann meinen Körper sehr gut mit Sauerstoff versorgen, währenddem ich tauche.» 💨

Meister Pelikan: «Wie schnell kann eine Meeresschildkröte schwimmen?»

Kelonya: «Wir Meeresschildkröten sind keine extrem schnellen Schwimmer. Wir nehmen es lieber etwas gemütlich. Normalerweise sind wir mit einer Geschwindigkeit von 1,4 bis 9,3 km/h unterwegs. Wenn wir Angst haben und vor etwas flüchten müssen, können wir aber Spitzengeschwindigkeiten bis 35 km/h erreichen. 🚤💨

Damit wir so elegant durchs Wasser gleiten können, haben wir lange Flossen. Die grossen, kräftigen Vorderflossen benutzen wir als Paddel, die Hinterflossen dienen uns zum Steuern.»  ☸️

Meister Pelikan: «Mir ist aufgefallen, dass einige Meeresschildkröten einen vogelähnlichen Schnabel haben. Weshalb ist das so?»

Kelonya: «Einige Meeresschildkröten haben tatsächlich einen starren, vogelähnlichen Schnabel. Damit können sie besonders gut in Ritzen und Felsspalten nach etwas Essbarem suchen. 🌊

Wir benutzen unsere Kiefer zum Schneiden und Kauen von unserer Nahrung. Unsere Zähne sind nämlich schon vor 150 bis 200 Millionen Jahren verschwunden. Die Kiefer von fleischfressenden Schildkröten haben messerscharfe Kanten um ihre Beute durchzuschneiden. Pflanzenfressende Schildkröten haben gezackte Kiefer- Kanten. 🐢

Wir benutzen unsere Zunge um Nahrung runter zu schlucken. Im Gegensatz zu den meisten Reptilien können wir unsere Zunge aber nicht herausstecken um damit Nahrung zu fangen.» 👅

Meister Pelikan: «Ich habe schon einmal eine Meeresschildkröte am Strand beobachtet, die geweint hat. Warum weint ihr? Seid ihr traurig?»

Kelonya: «Nein, ganz und gar nicht! Wenn wir Meeresschildkröten an Land krabbeln, um unsere Eier zu legen, kann man sehen, dass wir tatsächlich Tränen vergießen. Die Legende besagt, dass die Mutterschildkröten um ihre ungeborenen Kinder weinen. 💧

Meeresschildkröten sind aber in Wirklichkeit gar nicht traurig, und wir weinen auch nicht. Diese Tränen schützen unsere Augen vor dem Sand, während wir unsere Nester bauen. 😊

So scheiden wir zudem überschüssiges Salz aus unserem Körper aus. Das Meerwasser, das wir trinken, könnte unseren Körper durch Salzablagerungen vergiften. Wir müssen deshalb das überschüssige Salz durch eine Drüse wieder aus unserem Körper pumpen. Jedes unserer Augen besitzt eine solche Drüse. Es ist wichtig, dass diese Drüsen immer arbeiten,  damit wir das richtige Salzgleichgewicht in unserem Körper beibehalten zu können. 🧂

Wir weinen also nicht nur an Land, sondern auch im Meer, nur sieht man es dort nicht.» 🌊

Baby-Schildkrören schwimmend
Baby-Schildkröten

Meister Pelikan: «Wie lange lebt eine Meeresschildkröte?»

Kelonya: «Wir leben etwa 80 Jahre– also etwa gleich lange wie die Menschen. Wir legen mit etwa 20 bis 30 Jahren zum ersten Mal Eier

Meister Pelikan: «Kelonya, nun müssen wir auch noch über einige sehr traurige Dinge sprechen. Es gibt ja unzählige Gefahren für euch Meeresschildkröten. Magst du uns davon erzählen?»

Kelonya: «Ja, es stimmt. Wir sind tatsächlich vom Aussterben bedroht, das würde bedeuten, dass es bald keine Meeresschildkröten mehr auf der Welt geben würde. Drei der sieben Meeresschildkröten-Arten sind sogar sehr speziell gefährdet. ⚠️

Raubtiere wie Waschbären, Krebse und Ameisen plündern die Eier in den Nestern. Die frisch geschlüpften Meeresschildkrötenbabys sind ausserdem eine leichte Beute für Vögel, Krebse und viele Raubtiere im Meer. Wir sind zum Glück relativ sicher vor ihnen, wenn wir erwachsen sind, mal abgesehen von gelegentlichen Haiangriffen.» 🦈

Meister Pelikan: «Diese natürlichen Gefahren gab es ja schon immer. Sie können nicht der Grund dafür sein, dass ihr vom Aussterben bedroht seid?»

Kelonya: «Es sind leider die Menschen, welche uns den mit Abstand grössten Schaden zufügen. Viele Menschen auf der Welt ernähren sich von unseren Eiern und unserem Fleisch. Sie machen nachts Jagd auf nistende Weibchen. 🥚

In vielen Ländern ist es zwar unterdessen verboten unsere Nester zu plündern und unser Fleisch zu verkaufen. Leider geschieht es trotzdem, weil die Polizei nicht genügend Kontrollen durchführt. 👮‍♀️

Die Menschen verwenden aber nicht nur unsere Eier und unser Fleisch, sondern auch unseren Panzer oder unsere Haut um verschiedene Produkte daraus herzustellen.» 🐢

Meister Pelikan: «Was sind das für Produkte?»

Kelonya: «Die Menschen stellen Medizin her, oder sie verwenden zum Beispiel die wunderschönen, goldbraunen Panzer der 👉 Echten  Karettschildkröten 👈 um daraus Schmuck oder andere Luxusartikel herzustellen. 📿

Es ist zwar verboten, solche Dinge zu verkaufen, denn die Echte Karettschildkröte ist sehr stark vom Aussterben bedroht. Viele Touristen wissen das aber nicht und kaufen sich trotzdem solche Meeresschildkröten- Souvenirs. Deshalb geht die Jagd auf uns und der Handel mit den Produkten weiter.» 💰

Meister Pelikan: «Stellt auch die Fischerei eine Gefahr für euch dar?»

Kelonya: «Natürlich! Jedes Jahr werden Hunderttausende von Meeresschildkröten versehentlich von Fischern gefangen, verletzt oder getötet. Vor allem Langleinen und Schleppnetze stellen eine grosse Gefahr für uns dar. ⚠️

Eine Langleine ist eine extrem lange Angelschnur, die Tausende von Haken und Ködern haben kann. Diese wird über weite Strecken hinter den Fischerbooten hergezogen. Wir Meeresschildkröten werden von den Ködern angelockt und verfangen uns an den Haken. 🎣

Wenn eine Meeresschildkröte auf diese Weise gefangen wird, kann der Haken sie töten, weil sie dadurch nicht mehr an die Oberfläche gelangen kann, um Luft zu schnappen. Im Hörspiel 👉 «D Reis vo dr Kelonya» 👈 verfange auch ich mich in so einem Fischernetz. Hör dir an, wer mir in dieser gefährlichen Situation hilft.» 🎧

Pelikan-im-Wasser
Meister Pelikan

Meister Pelikan: «Ich leide unter dem Abfall im Meer und an den Stränden. Hör dir dazu auch das 👉 Gratis- Hörspiel mit meiner Geschichte 👈 an. Wie erlebst du das, Kelonya?»

Kelonya: «Das ist tatsächlich ein sehr grosses Problem für uns Meeresschildkröten. Wir verschlucken versehentlich Plastik weil wir ihn mit Nahrung verwechseln. 🛍

Besonders die Lederschildkröten, welche sich vor allem von Quallen ernähren, können nicht zwischen Quallen und Plastiktüten unterscheiden. Die beiden Dinge sehen im Wasser tatsächlich sehr ähnlich aus. Lies dazu auch 👉 diesen Artikel 👈 .» 🐢

Meister Pelikan: «Gibt es noch andere Verschmutzungen im Meer, die euch schaden?»

Kelonya: «Natürlich! In der Nähe der Küsten ist die Wasser-Verschmutzung manchmal besonders schlimm, da Öl, Abwasser, Chemikalien, Düngemittel und auch Erdöl ins Meer gelangen. Diese Schadstoffe verschmutzen zum Beispiel die Wasserpflanzen. Wenn wir diese dann fressen, werden wir davon krank und können sogar sterben.» ☠️

Meister Pelikan: «Findet ihr eigentlich noch genügend Strände, die sich zum Nisten eignen?»

Kelonya: «Du sprichst ein weiteres, grosses Problem an. Wir Meeresschildkröten brauchen dunkle, ruhige Stände um unsere Eier im Sand zu vergraben. Diese finden wir aber immer seltener. 🏖

An vielen Küsten werden immer mehr Wohnhäuser, Restaurants und Hotels gebaut. Es gibt dort deshalb nachts auch sehr viele beleuchtete Strassen und Leuchtreklamen. Diese künstliche Beleuchtung am Strand, hält uns weiblichen Meeresschildkröten vom Nisten ab. Wir müssen dann einen anderen Strand suchen, der vielleicht für unsere Jungen nicht so geeignet ist. 🌃

Das ist schwierig für uns, denn wir kehren immer wieder an unseren Geburtsstrand zurück, um unsere Eier im Sand zu vergraben. Die Beleuchtung an den Küsten verwirrt unsere frisch geschlüpften Babyschildkröten derart, dass sie die Orientierung verlieren. Sie krabbeln dann sie ins Landesinnere anstatt ins Meer. Du kannst dir vorstellen, dass sie dort keine Überlebenschance haben…» 🧭

Meister Pelikan: «Wie steht es mit dem Klimawandel? Macht der euch auch zu schaffen?»

Kelonya: «Darunter werde ich, als Meeresschildkröte, sehr stark zu leiden haben. 😢

Wenn es auf der Erde immer wärmer wird und die Polkappen weiterschmelzen, steigt der Meeresspiegel an. Dies würde bedeuten, dass viele unserer Nist-Strände verschwinden. Starke Stürme, welche durch die höheren Temperaturen hervorgerufen werden, können diese Strände auch zerstören. 🌪

Ausserdem wirken sich diese höheren Temperaturen auch auf die Entwicklung der Babyschildkröten in den Eiern aus: Es werden dann nämlich mehr weibliche als männliche Meeresschildkröten geboren. Dabei ist es doch so wichtig, dass es immer etwa gleich viele Männchen wie Weibchen gibt, damit wir uns weiter fortpflanzen können.» 🌡

Meister Pelikan: «Liebe Kelonya, ich danke dir für dieses interessante Gespräch. Vieles was du erzählt hast, ist ziemlich traurig. Wir wollen aber hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Du selbst hast uns das vorgelebt in der Geschichte  👉 «D Reis vo dr Kelonya» 👈 . Erzähl uns deshalb zum Schluss noch über all die guten Dinge, welche die Meeresschildkröte bewirkt!»

Kelonya: «Du hast recht. Lass mich ein wenig Werbung für uns machen. Hier sind vier Gründe, warum wir Meeresschildkröten wirklich wichtig sind:

1️⃣ Wir verbinden die einzelnen Ökosysteme der Ozeane miteinander. Ein Ökosystem ist ein Lebensraum, zum Beispiel ein Korallenriff, mit all den darin lebenden Tieren und Pflanzen. Wir tragen dazu bei, die Gesundheit von Seegraswiesen und Korallenriffen zu erhalten.

2️⃣ Indem wir zum Beispiel viele Quallen fressen, wie die Lederschildkröte, helfen wir mit, dass es nicht plötzlich zu viele davon in den Ozeanen gibt. Echte Karettschildkröten helfen den Korallenriffen, indem sie all die Schwämme fressen, welche dort die Korallen überwuchern würden.

3️⃣ Meeresschildkröten die nisten, helfen den Stränden. Die Nährstoffe, die von den Eiern in den Nestern hinterlassen werden, wirken im Boden fast ein wenig wie Dünger. Damit können Pflanzen an den Küsten viel besser wachsen.

4️⃣ Eine Grüne Meeresschildkröte wie ich, mag Seegraswiesen. Indem wir nur die oberen Spitzen abknabbern und die Wurzeln stehen lassen, tragen wir dazu bei, dass diese Unterwasserwiesen gesund bleiben. Sie sind nämlich auch für andere Meerestiere ein wichtiger Lebensraum; ausserdem beschützen sie die Küsten vor grossen Sturmfluten. Ohne das ständige Abgrasen würden die Seegraswiesen zuwachsen. Dadurch könnten Strömungen nicht mehr fliessen, und die Sonnenstrahlen könnten nicht mehr bis zum Meeresboden durchdringen. Wir verhindern auf diese Weise die Entstehung von Schimmelpilzen.

Lies diesen 👉 Artikel 👈 , um mehr über mich und meine Art zu erfahren!»


«Ich, Kelonya, und meine Freunde brauchen eure Hilfe!» 🚨

Es gibt eine Organisation, die sich weltweit für den Schutz der Natur einsetzt: Die «Weltnaturschutzunion», auf Englisch «International Union for the Conservation of Natur» oder einfach ganz kurz «IUCN» 🏛. Sie hat uns auf die sogenannte «rote Liste» gesetzt. 📝

Auf diese rote Liste kommen Tiere oder Pflanzen nur, wenn sie extrem selten und bedroht sind, bald auszusterben. Aussterben bedeutet, dass es von einem Tier auf der ganzen Welt kein einziges lebendes Exemplar mehr gibt. Stell dir vor, es gäbe auf der ganzen Welt keine einzige Grüne Meeresschildkröte mehr… der Gedanke macht mich sehr traurig. 😓

Aber es macht mich sehr glücklich, dass ich dir hier über mich erzählen kann und du über uns Meeresschildkröten soviel lernst. Nur wenn alle Menschen uns kennen und verstehen, was unsere Sorgen sind, werden sie uns helfen können. 🤓

Deshalb erzähle bitte all deinen Freundinnen und Freunden von uns Grünen Meeresschildkröten und dass wir dringend Hilfe brauchen‼️

Am besten hörst du dir meine ganz persönliche Geschichte an! Das musikalisches Hörspiel 👉 «D Reis vo dr Kelonya» 👈 erzählt dir von meiner Reise zum Perlmuttstrand. Es ist mit vielen schönen Liedern geschmückt und berichtet von meinen Begegnungen mit Kindern und vielen anderen Meerestieren.

 

🐢🐬🐋🐙 Somit wünschen dir, der Meister Pelikan und ich, viel Spass bei diesem tierischen Abenteuer!🐝🦁🐧🐒

❤️-lichst

unterschrift kelonya | kelonya.ch
Unterschrift-Pelikan | kelonya.ch

Autorin: Dr. Karen Kienberger, Ozeanografin
Bearbeitung: Cathryn Lehmann
Schriftsatz, Grafik: Thom Wettstein


Quellen: WWF: Weltweite Wildtiere https://www.worldwildlife.org/stories/how-long-do-sea-turtles-live-and-other-sea-turtle-facts|  Seeschildkröten.org https://www.seeturtles.org/why-are-sea-turtles-important

Header Foto Meeresschildkröte: © Michal Jarmoluk, Foto Grüne Meeresschildkröte: © Uwe Günther, Foto Pelikan: © Holger Detje


Meeresschildkröte Dunkel | kelonya.ch

Die 7 Arten von Meeresschildkröten

Weisst du, wie viele verschiedene Arten von Meeresschildkröten in unseren Ozeanen schwimmen? 🌊

Es gibt sieben Arten von Meeresschildkröten. 🐢🐢🐢🐢🐢🐢🐢 Viele von ihnen leben entlang den Küsten mit warmen Wassertemperaturen. Nur wenige mögen auch kaltes Wasser. Einige von ihnen legen auf ihren Reisen oft sehr lange Strecken zurück.

Diese sieben Meeresschildkrötenarten heissen:

1️⃣ Grüne Meeresschildkröte,

2️⃣ Karettschildkröte,

3️⃣ Unechte Karettschildkröte,  

4️⃣ Atlantik-Bastardschildkröte,

5️⃣ Oliv-Bastardschildkröte,

6️⃣ Wallriffschildkröte

7️⃣ und Lederschildkröte.

Jede Art hat ihre Besonderheiten. Sie stellen sich euch gleich selber vor. Könnt ihr euch denken, wer den Anfang macht?

GENAU! Es ist unsere Kelonya, die Grüne Meeresschildkröte aus dem Hörspiel. 😃

Grüne Schildkröte Nahaufnahme Kopf | kelonya.ch

Nr. 1️⃣: Die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) 🐢

«Hallo! Ich bin’s, Kelonya, die Grüne Meeresschildkröte! Ich werde ungefähr 80 Zentimeter bis 1 Meter lang und wiege 65 bis 130 Kilogramm. Am liebsten halte ich mich in der Nähe von Küsten und Seegraswiesen, in Buchten und bei Korallenriffen auf. 🐠

Willst du mehr über uns Grüne Meeresschildkröten wissen? Dann lies unbedingt diesen 👉 Artikel über mich! 👈! Dort erfährst du zum Beispiel, warum es so wichtig ist, dass ich wie ein Unterwasserrasenmäher die Seegraswiesen abknabbere.

Leider sind wir Grünen Meeresschildkröten stark vom Aussterben bedroht. Wie ist das bei euch, liebe Echte Karettschildkröten? Müsst ihr auch um euer Überleben bangen?»


Echte Karett Schildkröte schwimmend| Kelonya

Nr. 2️⃣: Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricate) 🐢🐢

«Liebe Kelonya, leider ja. Es sieht bei uns nicht besser aus als bei euch. Wir Echten Karettschildkröten sind sogar sehr stark gefährdet ⚠️. Das liegt vor allem an unserem wunderschönen Panzer, der mit leuchtenden Farben und aufwendigen Mustern verziert ist. So schön mein Panzer auch ist, er ist für mich eine grosse Gefahr. Er ist der Grund, weshalb ich leider gejagt werde. Stell dir vor: Die Menschen stellen daraus Schmuck, Kämme oder Haarbürsten her! Sie verzieren damit sogar ihre Möbel.

Aber lass mich mehr von mir erzählen:

Ich bin etwa gleich gross wie du, Kelonya, werde aber in der Regel nicht ganz so schwer. Ich lebe wie du weltweit gerne an Korallenriffen und an Küsten, wo das Wasser nicht allzu tief und schön warm ist. 🌅

In Europa trifft man mich im Meer vor den Küsten Portugals an 🌍. Meine Zeit verbringe ich damit, in den Korallenriffen in der Nähe von Inseln umherzustreifen oder durch felsige Unterwassergebiete, Lagunen und Mangroven zu ziehen. Ich unternehme nicht so lange Wanderungen wie du, Kelonya, in deiner Geschichte 👉 «D’ Reis vo dr Kelonya» 👈, sondern ich bleibe lieber in meiner gewohnten Umgebung.

Mein schmaler Kopf und mein Schnabel erinnern fast an einen Vogel. Damit kann ich sehr gut in Rissen und Spalten von Korallenriffen nach etwas Essbarem suchen. 🐦

Mein Lieblingsessen sind Schwämme. In einem Jahr fresse ich ungefähr 450 Kilogramm davon. Mit meiner Vorliebe für die Schwämme helfe ich mit, dass die Korallen besser wachsen können, denn sie würden sonst von den Schwämmen überwuchert werden und ganze Riffe könnten so absterben.

Die Menschen können mein Fleisch zum Glück nicht essen. Die vielen Schwämme die ich fresse, machen es für sie ungeniessbar oder sogar giftig. ☠️

An jeder meiner Vorderflossen besitze ich eine Kralle. Wenn du mich einmal an Land antriffst, wird dir auffallen, dass ich meine Vorderflossen abwechselnd bewege. Ich bewege also meine Vorderflossen nicht wie andere Meeresschildkröten gleichzeitig sondern eine nach der anderen.

So, jetzt weisst du alles Wichtige über mich! Und was hast du, liebe Unechte Karettschildkröte, zu erzählen? Du bist doch trotz deines Namens eine echte Meeresschildkröte – oder etwa nicht?»


Unechte-Karett Schildkröte | kelonya.ch

Nr. 3️⃣: Die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) 🐢🐢🐢

«Und ob ich eine echte Meeresschildkröte bin! An mir ist gar nichts unecht. Ich bin sogar von allen die grösste und schwerste Meeresschildkröte, die einen harten Panzer besitzt! 🏅

Ich lebe – wie du und die Grüne Meereschildkröte Kelonya – gerne in warmen Meeresabschnitten auf der ganzen Welt. Oft bin ich an Korallenriffen und Küsten zu finden. Aber ich bin ab und zu auch im offenen Meer anzutreffen. In Europa gefällt es mir am besten in Zypern, Korsika, Griechenland, Italien, Malta und Spanien. 🌏

Mein Kopf ist eher rundlich. Ich habe kräftige Kiefer und einen steil gewölbten Panzer. Ich bin ein Allesfresser und beim Essen nicht so wählerisch wie die Echte Karettschildkröte, welche fast nur Schwämme frisst. Das wäre mir viel zu eintönig! Ich mag Abwechslung beim Fressen: Krabben, Hummer oder Muscheln. Keine andere Meeresschildkröte hat einen so vielfältigen Menu-Plan wie ich. Mit meinen starken Kiefern kann ich meine Beute sehr gut zerteilen. 🦀🐟🐚

Unsere Weibchen legen erst mit etwa 30 Jahren zum ersten Mal Eier. Sie legen nur alle zwei bis drei Jahre wenige Eier ab. Deshalb werden von unserer Art jeweils nur wenige Babys geboren. In Griechenland, einem unserer Lieblingsplätze, gibt es jedes Jahr etwa 3000 Nester. Das Mittelmeer wird dann zu einer Art Kindergarten für unsere Babyschildkröten.

Aber auch uns geht es oft an den Kragen: Fischfanggeräte sind die grösste Bedrohung für uns. Viele von uns Unechten Karettschildkröten verfangen sich in Fischernetzen, Langleinen- oder Stellnetzen. Dann ertrinken wir, weil wir nicht mehr an die Wasseroberfläche zum Atmen schwimmen können. 🎣

Wir Unechten Karettschildkröten sind deshalb leider auch vom Aussterben bedroht. ⚠️

Du siehst: Trotz unseres Namens sind wir also echte, wahrhafte Lebewesen! A propos Name: Die Atlantik-Bastardschildkröte wird lustigerweise auch Kemps’s Ridley-Schildkröte genannt. Liebe Artgenossin, kannst du uns erzählen, warum du zwei Namen trägst?»


Bastard-Schildkröte Robbend | kelonya.ch

Nr. 4️⃣: Die Atlantik-Bastardschildkröte (Lepidochelys kempi) 🐢🐢🐢🐢

«Nichts leichter als das! Ich wurde nach Richard Kemp benannt, einem Fischer aus Key West, Florida. Er hat bei der Entdeckung unserer Art mitgeholfen.

Ich gehöre zu den kleinsten Meeresschildkröten und werde nur etwa 50 bis 90 Zentimeter gross. Mit meinem Körpergewicht von 25 bis 40 Kilogramm gehöre ich definitiv zu den Fliegengewichten unter den Meeresschildkröten. ⚖

Ich lebe an den Korallenriffen und Küsten der Karibik und vom Golf von Mexiko bis in den Norden der USA. In Europa findet ihr mich im Nordatlantik vor Frankreich, Spanien, England und Portugal. Du siehst, ich mag eher kühlere Wassertemperaturen, deshalb bin ich nur selten im Mittelmeer anzutreffen. 🌍

Ich bewege mich sehr wendig durchs Wasser weil ich so klein bin. Mein Panzer ist erstaunlich breit und ändert mit dem Alter seine Farbe. Er wandelt sich von fast schwarz bei unseren Jungtieren bis zu einem schicken, hellen Olivgrau, wie ich ihn als erwachsenes Tier trage.

Leider gehöre ich zur am stärksten vom Aussterben bedrohten Meeresschildkrötenart.

Unsere Weibchen legen bereits mit 10 – 15 Jahren zum ersten Mal Eier. Das ist sehr früh im Gegensatz zu anderen Meeresschildkröten. Dann kriechen alle Weibchen gleichzeitig an Land, um ihre Nester zu bauen und das sogar bei Tageslicht. Die meisten anderen Meeresschildkröten machen das immer im Schutz der Dunkelheit. 🌝

Das macht es Menschen sehr einfach, unsere Eier zu finden und als Nahrung zu nutzen. Auch Raubtiere haben so ein leichtes Spiel, unsere Nester zu plündern. Bis vor Kurzem wären wir tatsächlich fast ausgestorben! Dann hätte es auf der ganzen Welt keine einzige Atlantik-Bastardschildkröten mehr gegeben. ⚠️

Zum Glück hat sich das geändert! Heute legen wir unsere Eier nur noch an einem einzigen Strand in Mexiko ab, wo strenge Gesetze unsere Nester schützen. Stell dir vor: Vor 30 Jahren gab es tatsächlich nur noch etwa 200 Weibchen weltweit. Heute sind wir immerhin wieder eine Gruppe von etwa 7000 bis 9000 Tieren. Dennoch gibt es noch immer viel zu wenige von uns und wir sind leider immer noch sehr stark vom Aussterben bedroht.

Ich habe übrigens eine nahe Verwandte, die ich euch nun gerne vorstellen möchte: Es ist die Oliv-Bastardschildkröte. Liebe Artgenossinnen, seid ihr auch so stark vom Aussterben bedroht wie wir?»


Oliv Bastard Schildkröte von unten | kelonya.ch

Nr. 5️⃣: Die Oliv-Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea) 🐢🐢🐢🐢🐢

«Nein, bei unserer Art ist die Situation gottseidank nicht ganz so dramatisch. Doch die Menschen essen gerne unser Fleisch und unsere Eier unddeshalb sind auch wir stark gefährdet.

Ich gehöre mit einer Grösse von 65 Zentimetern und einem Gewicht von etwa 50 Kilogramm ebenfalls zu den kleineren Meeresschildkrötenarten. Wir leben, im Gegensatz zu euch, den Atlantik-Bastardschildkröten, auf der ganzen Welt zum Beispiel im Pazifik oder dem Indischen Ozean, wo das Wasser schön warm ist. 🌏

Der olivgrüne Panzer gibt uns unseren Namen. 

Ich bin nicht sehr wählerisch und fresse fast alles. Ich mag Krebse, Garnelen, Hummer, Seeigel, Quallen, Algen und Fische. 🦀🐟🐚

Unsere Weibchen versammeln sich in grossen Gruppen vor den Stränden, um die Eier abzulegen und krabbeln dann alle gleichzeitig an Land. Solche «Massen- Nestbau-Versammlungen» geschehen in Mexiko, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Australien, Afrika und an einigen Stränden der Küste Indiens.

Die Weibchen bleiben während der ganzen Nistzeit in der Nähe ihrer Nester vor den Küsten. Die Menschen rätseln, wie wir den genauen Zeitpunkt für diese Massen-Nestbauten bestimmen. Sie denken, es könnte mit speziellen Wetterereignissen zu tun haben zum Beispiel mit starken Winden oder den vielen Wolken am Himmel. Vielleicht hat es ja aber auch mit dem Mond und den Gezeiten Ebbe und Flut zu tun. 🌊

Wir werden aber dieses Geheimnis auf jeden Fall für uns behalten! ☺️

Liebe Wallriffschildkröte, wie sieht das bei deiner Art aus? Habt ihr auch ein solches gut gehütetes Geheimnis?»


Wallriff Schildkröte robbend | kelonya.ch

Nr. 6️⃣: Die Wallriffschildkröte (Natator depressus) 🐢🐢🐢🐢🐢🐢

«Na klar! Wie alle Meeresschildkröten sind wir sehr weise und wir tragen Millionen Jahre alte Geheimnisse mit uns. 🤐

Ich bin eine grosse Meeresschildkröte und werde über einen Meter lang. Dazu wiege ich bis zu 85 Kilogramm. Mein flacher Panzer unterscheidet mich von allen anderen Meeresschildkröten, die alle einen gewölbten Panzer besitzen

Ich lebe und brüte nur in Australien. Dort gefällt es mir sehr gut und ich unternehme keine Reisen wie meine Artgenossin Kelonya. 🌏

Ich mag auch das offene Meer nicht und bin deshalb vor Küsten anzutreffen, wo das Meer weniger als 60 Meter tief ist. Mir gefällt es am Great Barrier Reef. Dieses riesige, wunderschöne Korallenriff ist mein Zuhause. 🐠

Dort finde ich auch alles, was mein Herz begehrt. Ich fresse vor allem Fleisch: Fische, Seegurken, Quallen, Weichkorallen, Garnelen, Krabben und Algen stehen auf meinem Speiseplan. 🌊🦀🐚🐠

Leider ist meine Art von einer Vielzahl an Gefahren bedroht. ⚠️

Stell dir vor, wir werden sogar von Salzwasserkrokodilen gejagt. Das sind die grössten Reptilien der Welt. Vor allem wenn unsere Weibchen versuchen, am Strand ihre Nester zu bauen, sind sie sehr gefährdet. Sie legen je nur etwa 50 Eier pro Nest. Das ist viel weniger als andere Meeresschildkröten, welche 100-200 Eier pro Nest legen. 🐊

Unsere frischgeschlüpften Babyschildkröten sind dafür grösser als diejenigen von anderen Arten. Das kann ihnen helfen, Raubtieren besser zu entkommen. Einmal im Meer bleiben die Kleinen in der Nähe ihres Geburtsstrandes.

Es gibt noch viele weitere Bedrohungen für uns ⚠️:

1️⃣ Menschen jagen uns wegen unserem Fleisch, und sie stehlen die Eier aus unseren Nestern.

2️⃣ Wir verwickeln uns oft in Fischernetzen.

3️⃣ Unsere Niststrände werden durch all die vielen neu gebauten Häuser und Hotels regelmässig zerstört. 

4️⃣ Unsere Korallenriffe werden verschmutzt oder sogar zerstört.

➡️ Früher plünderten auch Raubtiere wie Dingos, Füchse und Wildschweine unsere Nester. Seit die Behörden ein Kontrollprogramm für diese Raubtiere eingeführt haben, ist diese Gefahr zum Glück nicht mehr so gross.

Du siehst, auch wenn wir nicht so weite und gefährliche Wanderungen wie Kelonya unternehmen, müssen wir uns doch vor vielen Dingen in Acht nehmen. ☝🏼

Es gibt nun noch eine siebte, sehr besondere Meeresschildkrötenart. … Hab ich recht, liebe Lederschildkröte


Lederschildkröte | kelonya.ch

Nr. 7️⃣: Die Lederschildkröte (Demochelys coriacea) 🐢🐢🐢🐢🐢🐢🐢

«Da hast du vollkommen recht, liebe WallriffschildkröteI! Denn ich bin die grösste aller Meereschildkröten! Ich werde immerhin fast 2 Meter lang und kann bis zu 900 Kilogramm wiegen! Es gibt aber einen grossen Unterschied zu euch anderen Meeresschildkröten, weshalb man mich auch nicht zu euch zählt. ☝🏼

Mein Panzer besteht nämlich nicht aus Hornschuppen wie eurer, sondern aus vielen Knochenplatten, welche mit einer glatten, lederartigen Haut überzogen sind. Daher stammt auch der Name «Lederschildkröte».

Mein Panzer ist nicht hart, sondern eher gummiartig. Das ist sehr praktisch für mich, denn dadurch kann ich besonders tief tauchen. Ich halte sozusagen den Weltrekord im Tiefseetauchen unter allen Meeresschildkrötenarten und kann 1250 Meter in die Tiefe abtauchen. Das ist so viel, wie wenn man unter Wasser vier Eifeltürme übereinander stapeln würde. 🌊

Ich lebe auf der ganzen Welt. Kühle Wassertemperaturen machen mir nichts aus. Ich bevorzuge es ausserdem im offenen Meer zu leben und nicht in der Nähe von Küsten. Unsere Weibchen kommen nur zum Brüten an Land. Sie suchen sich dazu steil abfallende Sandstrände in warmen Gebieten. 🌎

Ich esse gerne Quallen und andere quallenähnliche Tiere und bin ein echter Vielfrass! An einem Tag kann ich die Mengen meines ganzes Körpergewicht in Quallen fressen. 🐙 Das ist viel, wenn du bedenkst, dass ich fast so viel wiege, wie ein kleines Auto! Leider passiert es immer wieder, dass wir Lederschildkröten Plastiktüten oder Angelschnüre mit Quallen verwechseln. Da wir uns nicht erbrechen und die falsche Beute wieder heraus würgen können, ist dies eine sehr grosse Gefahr für uns.

Aber es gibt noch andere Dinge, die mich speziell machen: Reptilien passen normalerweise ihre Körpertemperatur immer ihrer Umgebung an. Bei uns ist das anders. Wir Lederschildkröten können nämlich wie die Menschen unseren Körper wärmer halten als unsere Umgebung. Das ist sehr besonders an uns! 🐊

Das hat bestimmt mit der dicken Fettschicht unter unserer Haut zu tun. Diese isoliert gut und hält uns warm. Wir wandern deshalb auch weiter als alle anderen Meeresschildkröten. Unsere Wege führen uns vom Cap Hoorn an der untersten Spitze von Chile bis ganz hoch in den Norden von Island.

Wir können unglaublich weite Strecken zurücklegen! ⛵️

Forscher haben eine Kollegin von mir beobachtet und sind ihr gefolgt. Auf diesem Weg hat sie unglaubliche 19‘000 Kilometer zurückgelegt hat. Sie ist von Indonesien bis nach Oregon, an die Westküste der USA, geschwommen! Schau mal auf der Weltkugel nach, wie weit das ist. Es ist eine der längsten aufgezeichneten Wanderungen aller Wirbeltiere! Verrückt, nicht? 🌎

Du siehst also, wir Lederschildkröten sind schon ein wenig spezielle Meeresschildkröten. Aber auch wir werden bedroht und sind sehr gefährdet. ⚠️ Die Menschen holen unsere Eier aus den Nestern, um sie zu essen, und unsere Niststrände werden mit neuen Gebäuden und Strassen verbaut.» 🏢


«Ich, Kelonya, und meine Freunde brauchen eure Hilfe!» 🚨

Es gibt eine Organisation, die sich weltweit für den Schutz der Natur einsetzt: Die «Weltnaturschutzunion», auf Englisch «International Union for the Conservation of Natur» oder einfach ganz kurz «IUCN» 🏛. Sie hat uns auf die sogenannte «rote Liste» gesetzt. 📝

Auf diese rote Liste kommen Tiere oder Pflanzen nur, wenn sie extrem selten und bedroht sind, bald auszusterben. Aussterben bedeutet, dass es von einem Tier auf der ganzen Welt kein einziges lebendes Exemplar mehr gibt. Stell dir vor, es gäbe auf der ganzen Welt keine einzige Grüne Meeresschildkröte mehr… der Gedanke macht mich sehr traurig. 😓

Aber es macht mich sehr glücklich, dass ich dir hier über mich erzählen kann und du über uns Meeresschildkröten soviel lernst. Nur wenn alle Menschen uns kennen und verstehen, was unsere Sorgen sind, werden sie uns helfen können. 🤓

Deshalb erzähle bitte all deinen Freundinnen und Freunden von uns Grünen Meeresschildkröten und dass wir dringend Hilfe brauchen‼️

Am besten hörst du dir meine ganz persönliche Geschichte an! Mein musikalisches Hörspiel 👉 «D Reis vo dr Kelonya» 👈 erzählt dir von meiner Reise zum Perlmuttstrand. Es ist mit vielen schönen Liedern geschmückt und berichtet von meinen Begegnungen mit Kindern und vielen anderen Meerestieren.

 

🐢🐬🐋🐙 Somit wünsche ich dir viel Spass bei diesem tierischen Abenteuer!🐝🦁🐧🐒

❤️-lich, deine

Autorin: Dr. Karen Kienberger, Ozeanografin
Berarbeitung: Cathryn Lehmann, Fabienne Müller
Schriftsatz, Grafik: Thom Wettstein

 


Quellen: WWF: World Wild Life https://www.worldwildlife.org/stories/how-long-do-sea-turtles-live-and-other-sea-turtle-facts, Seeturtles.org https://www.seeturtles.org/why-are-sea-turtles-important, nternational Union for Conservation of Nature. http://www.iucn.org, OCEANA  https://oceana.org/marine-life/sea-turtles-reptiles

Header Foto : © Jörg Möller, Foto Grüne Schildkröte: © Geraldine Dukes, Foto Echte Karett Schildkröte: © Eretmochelys imbricate, Foto Unechte Karett Schiddkröte: © Iñaki Relazon, Foto Oliv-Bastard Schildkröte: © Anelle Mostert, Foto Wallriff Schildkröte: © Graham Edgar, Foto Lederschildkröte: © www.itl.cat


So lebt Kelonya, die Grüne Meeresschildkröte

Hallo, ich bin‘s! Kelonya, die Grüne Meeresschildkröte. 🐢

Du kennst mich vielleicht schon aus dem musikalischen Hörspiel 👉 «D Reis vo dr Kelonya». 👈 🎶👂🏼

Ich bin eine Grüne Meeresschildkröte. Man nennt mich auch Schwarzmeerschildkröte oder Pazifik-Grünschildkröte. Ich wurde auf den Namen «Kelonya» getauft, weil mein wissenschaftlicher Name «Chelonia mydas» lautet.

«Chelonia» kommt vom griechischen Wort «Chelone», das Schildkröte bedeutet, und «mydas» von «mydos», das Nässe bedeutet. Dieser Name ist wichtig, weil dann nämlich Forscherinnen und Forscher auf der ganzen Welt genau wissen, welche Meeresschildkröte gemeint ist, wenn sie von mir sprechen. Sogar dann, wenn jede und jeder in einer anderen Sprache forscht.

Mein geläufiger Name «Grüne Meeresschildkröte» hat aber nichts mit den Farben meines Panzers zu tun. Nein, es geht vielmehr um die grünliche Farbe meines Körperfetts. 🐢

Grüne Schildkröte Nahaufnahme vorne | kelonya.ch

Was esse ich? 🍴

Ich esse als erwachsene Meeresschildkröte grosse Mengen an Seegras und Algen. Davon kriegt mein Körperfett seine grüne Farbe. Grüne Meeresschildkröten sind die einzigen Meeresschildkröten, die als erwachsene Tiere vegetarisch leben. Als Baby sind wir noch Fleischfresser und auf unserem Menu-Plan stehen kleine Krebse, Muscheln, Würmer, Quallen, Schwämme und vieles mehr. 🦀

Wegen meiner Vorliebe für Pflanzen halte ich mich sehr gern in Küstennähe, bei Inseln, in Buchten und an geschützten Ufern auf. Für mich ist es sehr wichtig, dass es dort Seegraswiesen am Meeresgrund gibt. Ich knabbere wie ein Unterwasser-Rasenmäher nur die obersten Seegras-Spitzen ab und lasse die Wurzeln stehen. 🌱

Die Wurzeln geben dem Meeresboden bei Sturm und hohen Wellen Halt. Auf diese Weise bleiben die Seegraswiesen am Meeresgrund gesund. Das ist wichtig, weil sich dort kleine Fische vor Raubfischen verstecken können. 🐠

Wo lebe ich? 🌍

Wir Grünen Meeresschildkröten sind die am häufigsten vorkommende Art von Meeresschildkröten. Wir leben rund um den Erdball. So findest Du uns am Mittelmeer aber auch in den tropischen und subtropischen Gewässern des Atlantiks, des Indischen Ozeans und des Pazifiks. 🌏

Wir mögen wärmere Wassertemperaturen. In Gebieten, in denen die Meerestemperaturen unter 7 oder 10° C sinken, ist es uns eher zu kalt.🌡

Im Mittelmeer gibt es drei verschiedene Arten von Meeresschildkröten. Wir Grünen Meeresschildkröten sind von allen drei leider am meisten vom Aussterben bedroht. Die Strände, wo wir unsere Eier ablegen, liegen vor allem in Zypern und in der Türkei sowie im Libanon, in Ägypten und Israel.

So sehe ich aus: 👀

Du kannst mich ganz leicht von anderen Meeresschildkröten unterscheiden. Ich besitze nämlich nur ein einziges Paar Schuppen über den Augen 👁 und nicht zwei Paare wie die anderen Meeresschildkröten.

Ich gehöre zu den grössten Meeresschildkröten der Welt – darauf bin ich stolz ☺️! Erwachsene Tiere wie ich werden bis zu 1,5 Meter lang. Unser durchschnittliches Gewicht beträgt 70 – 190 Kilogramm.

Stell dir vor: Wir werden also etwa so schwer wie 1-2 erwachsene Menschen! 👫

Die grösste je gemessene Grüne Meeresschildkröte war 1,5 Meter lang und wog 395 Kilogramm. Das ist fast so viel wie ein Pferd 🐎!

Mein Kopf ist dagegen eher klein. Ich kann ihn nicht wie die Landschildkröten in den Panzer einziehen. Unsere Männchen sind übrigens etwas grösser als wir Weibchen und sie haben auch einen längeren Schwanz.

Unsere Panzer sind mit vielen verschiedenen Farbtönen geschmückt. Sie reichen von hell- bis dunkelgrün, von blass bis zu sehr leuchtenden Gelb-, Braun- und Grüntönen mit strahlenden Streifen. Diese Farbenpracht bekommen wir aber erst, wenn wir heranwachsen. Als Babys tragen wir noch einen schlichten schwarzen Rücken und haben einen hellen Brustpanzer. 🐢

Wir Grünen Meeresschildkröten haben wie alle Meeresschildkröten zwei starke Vorderflossen. Diese sehen aus wie Paddel. Sie machen uns zu kraftvollen und eleganten Schwimmerinnen und Schwimmern. Die vorderen Flossen geben uns die Kraft zum Schwimmen. Unsere kürzeren Hinterflossen sind dafür da, dass wir beim Schwimmen stabil im Wasser liegen. An allen Flossen haben wir kleine Krallen. 🔍

Grüne Schildkröte mit Fischen | kelonya.ch

Meine Reisen. ⛵️

Wir mögen es gerne warm. Deshalb verlassen wir Grünen Meeresschildkröten ab und zu das Wasser für ein Sonnenbad. Ansonsten wärme ich mich auf, indem ich nahe an der Wasseroberfläche schwimme. 🌞

Wie alle Meeresschildkröten unternehmen wir sehr lange Wanderungen. Denn wir müssen unsere Eier unbedingt ❕dort ablegen, wo wir selber vor vielen Jahren als Babys aus dem Ei geschlüpft und ins Meer gekrabbelt sind. Ein anderer Strand kommt dafür nicht in Frage! Wir schwimmen deshalb unermüdlich quer durch die Ozeane von unseren Futterplätzen bis zu unserem Geburtsstrand zurück. 🌏

Manchmal legen wir Weibchen eine Strecke von mehr als 1000 km zurück, um diesen besonderen Strand zu erreichen. Das ist eine weite und oft auch gefährliche Reise.

Wie kann ich meinen Strand im weiten Meer wieder finden? 🤔

Das ist ganz einfach 😊: Ich nehme das Magnetfeld der Erde mit seinen unsichtbaren Linien wahr. Die Erde ist nämlich ein riesiger Magnet! Jeder Ort auf der Welt und auch jede Küste sendet sein ganz eigenes, magnetisches Signal aus.

Ich habe mir bei meiner Geburt das magnetische Signal von meinem Strand gemerkt 💡 und kann es mit meinem «inneren Kompass» orten. Auf diese Weise finde ich immer wieder meinen Weg nach Hause. 🗺

Meine Babys schlüpfen! 🐢

Es dauert etwa 6-8 Wochen, bis die Schildkrötenbabys aus den Eiern schlüpfen. Die Temperatur während der Brutzeit entscheidet darüber, ob ein Männchen oder ein Weibchen aus dem Ei schlüpfen wird. Je wärmer es ist, desto eher wird es nämlich ein Weibchen 🐢.

Wenn also auf der Welt die Temperatur wegen dem Klimawandel weiter ansteigt, könnten vielleicht nur noch Weibchen zur Welt kommen. Gleichzeitig sind zu hohe Temperaturen für die Eier auch eine tödliche Gefahr. 🔥

Aber die gefährlichste Zeit im Leben einer Grünen Meeresschildkröte ist die, in der die frisch geschlüpften Schildkrötenbabys den Weg vom Nest zum Meer suchen. Viele Raubtiere wie Krebse 🦀, kleine Meeressäugetiere und Küstenvögel warten nur auf diesen Moment und machen in dieser kurzen Zeit Jagd auf die wehrlosen Schildkrötenbabys.

Deshalb klettern die Jungtiere alle gleichzeitig aus ihrem Nest, um als krabbelnde Schar die lauernden Räuber zu verwirren. Die Kleinen kriechen so schnell sie können in die Sicherheit der Wellen des Meeres. Danach verbringen die Jungen ihre ersten fünf Jahre hauptsächlich im offenen Ozean. Man sieht sie dann sehr selten, da sie oft tief abtauchen. 🌅

Grüne Schildkröte | kelonya.ch

Gefahren, die uns drohen. ⚠️

Eigentlich müssten wir uns nur vor grösseren Haien – wie den Weissspitzen- und Tigerhaien – in Acht nehmen. Obwohl wir dies eigentlich gut meistern könnten und dies keine Bedrohung für unsere Art wäre sind wir Grünen Meeresschildkröten sehr gefährdet, auszusterben 😥. Die Anzahl der lebenden Tiere ist in den letzten 50 Jahren um 90% gesunken 📉! Der Grund dafür sind die Menschen, die Jagd auf uns machen. Denn unser Fleisch und unsere Eier gehören zu den Nahrungsmitteln für viele Küstenbewohner. Aber auch wegen anderen Körperteilen werden wir getötet. 🏹

Wusstest du, dass wir auch wegen unserer Haut oder unserer farbigen Panzer gejagt werden? Daraus werden z.B. Leder-Handtaschen oder touristische Souvenirs hergestellt, obwohl der Handel mit Schildkrötenprodukten seit 1979 eigentlich verboten ist. Auch unser Körperfett ist beliebt, da es für medizinische oder kosmetische Produkte eingesetzt wird.

Oft passieren uns Unfälle mit Bootspropellern. Dies geschieht in dem Moment, in dem wir zur Wasseroberfläche schwimmen müssen, um zu atmen. Oder wir ertrinken, weil wir uns unter Wasser in ein verloren gegangenes Fischernetz verwickelt haben.

Wir Meeresschildkröten können uns zwar unter Wasser mehrere Stunden lang ausruhen oder sogar schlafen 😴. Die Zeit unter Wasser wird aber deutlich kürzer, wenn wir uns bewegen. Zum Beispiel wenn wir nach Nahrung tauchen oder Raubtieren entkommen wollen. Vor allem wenn wir gestresst sind, können wir nicht mehr so gut atmen. Etwa 5 Minuten lang kann ich unter Wasser schwimmen. Danach muss ich unbedingt auftauchen und brauche dann 1 – 3 Sekunden Zeit, um Luft zu holen 🌬. Wir können deshalb leider sehr schnell ertrinken, wenn wir in Schleppnetze oder andere Fanggeräte unter Wasser geraten.

Eine weitere Gefahr ist für unsere frisch geschlüpften Jungtiere das viele Licht von Strassenlaternen oder Leuchtreklamen an den Stränden. Sie kriechen dann ganz verwirrt zum Licht hin und finden den Weg zum Meer nicht mehr.

Es gibt zwar internationale Verträge und Vereinbarungen, um die Jagd auf Meeresschildkröten zu verbieten und unsere Nistplätze zu schützen ☂️. Da wir aber so weite Wanderungen unternehmen und dabei viele Landesgrenzen überschreiten, müssen alle Länder verlässlich und über viele Jahre hinweg zusammen arbeiten. Nur so kann unser Überleben gesichert werden. Die Zusammenarbeit unter den Ländern ist aber leider noch viel zu schwach und die Schutzmassnahmen gehen nur schleppend voran. 🐌

Plastik, eine neue Gefahr für uns! 🍼⚠️

Eine grosse und eher neue Gefahr für uns Meeresschildkröten ist der viele Plastik, der im Ozean schwimmt. Die Kunststoffe sind oft grün oder durchsichtig und sehen fast so aus wie die Pflanzen, die wir fressen 🌱. Wir Meeresschildkröten suchen uns unsere Nahrung mit den Augen aus 👀 und wählen sie nach Form, Grösse und Farben aus. Wir können deshalb schwimmende Plastikteile nicht von Meeresalgen unterscheiden und fressen so ungewollt viel Kunststoff. 😨

Junge Meeresschildkröten sind am meisten gefährdet. Sie lassen sich von den Strömungen treiben, in denen sich viel Treibschutt und Plastik ansammelt. Ausserdem sind unsere Babys sehr gefrässig und bei der Nahrungssuche viel weniger wählerisch als erwachsene Meeresschildkröten. Sie fressen alles, was was nach Nahrung aussieht – und deshalb auch viel Plastik. 😰

In Zypern haben Forscher 19 tote Grüne Meeresschildkröten untersucht, die dort an den Stränden gefunden wurden. Sie fanden in ihren Mägen und Därmen sehr viele Plastikteile. Sogar Teile von Autoreifen, Zigaretten, Kleidung, Seile und Fischernetze hatten die armen Tiere verschluckt! 

Das Dumme ist, dass wir Meeresschildkröten uns nicht erbrechen können, wenn wir etwas Falsches verschluckt haben. Der Plastik geht unaufhaltsam in unseren Darm und bleibt dort oft stecken. Selbst ein einziges Stück Plastik kann zum Tod führen. Manchmal wird der Magen durch ein Stück Plastik blockiert oder der Darm wird durch ein scharfkantiges Plastikstück zerschnitten.

Wir brauchen Hilfe! 🚨

Es gibt eine Organisation, die sich weltweit für den Schutz der Natur einsetzt: Die «Weltnaturschutzunion», auf Englisch «International Union for the Conservation of Natur» oder einfach ganz kurz «IUCN» 🏛. Sie hat uns auf die sogenannte «rote Liste» gesetzt. 📝

Auf diese rote Liste kommen Tiere oder Pflanzen nur, wenn sie extrem selten und bedroht sind, bald auszusterben. Aussterben bedeutet, dass es von einem Tier auf der ganzen Welt kein einziges lebendes Exemplar mehr gibt. Stell dir vor, es gäbe auf der ganzen Welt keine einzige Grüne Meeresschildkröte mehr… der Gedanke macht mich sehr traurig. 😓

Aber es macht mich sehr glücklich, dass ich dir hier über mich erzählen kann und du über uns Meeresschildkröten soviel lernst. Nur wenn alle Menschen uns kennen und verstehen, was unsere Sorgen sind, werden sie uns helfen können. 🤓

Deshalb erzähle bitte all deinen Freundinnen und Freunden von uns Grünen Meeresschildkröten und dass wir dringend Hilfe brauchen‼️

Und am besten hörst du dir meine ganz persönliche Geschichte an, das musikalische Hörspiel 👉 «D Reis vo dr Kelonya» 👈. Es ist mit vielen schönen Liedern geschmückt und berichtet von Begegnungen mit Kindern und vielen anderen Meerestieren.

 

🐢🐬🐋🐙 Ich wünsche dir viel Spass bei diesem tierischen Abenteuer!🐝🦁🐧🐒

❤️-lich, deine

Autorin: Dr. Karen Kienberger, Ozeanografin
Berarbeitung: Cathryn Lehmann, Fabienne Müller
Schriftsatz, Grafik: Thom Wettstein


Quellen: Web zur Tiervielfalt. https://animaldiversity.org/accounts/Chelonia_mydas/ – Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten wilder Tiere und Pflanzen https://www.cites.org – Internationale Union für die Erhaltung der Natur.  http://www.iucn.org – Meeresschildkröten: https://www.seeturtles.org/sea-turtle-factsCasale P, Broderick AC, Camiñas JA, Cardona L and others (2018) Mediterranean sea turtles: current knowledge and priorities for conservation and research. – Endang Species Res 36:229-267. https://doi.org/10.3354/esr00901  – Gündogdu, S., Yesilyurt, I. N. and Erbas, C. (2019) «Potential interaction between plastic litter and green turtle Chelonia mydas during nesting in an extremely polluted beach’, Marine Pollution Bulletin, 140(November 2018), pp. 138–145. doi: 10.1016/j.marpolbul.2019.01.032.

Header Foto : © Reinhard Dirscherl, Foto #1: © Eretmochelys Imbricate, Foto #2: © Marcello-Rabozzi, Foto #3: © Skeeze